Stadt Paderborn stellt sich ihrer historischen Verantwortung

Ehemaligen Zwangsarbeitern die Hand gereicht

Donezk/"Was geschehen ist, lässt sich in keiner Weise wieder gut machen. Dennoch ist es ein wichtiges Zeichen, ein Grund zur Hoffnung, dass wir alle uns heute hier getroffen haben." Bürgermeister Heinz Paus war die Betroffenheit anzumerken, als er im ukrainischen Donezk ehemalige Zwangsarbeiter mit diesen Worten begrüßte. Die Stadt Paderborn habe sich ihrer historischen Verantwortung gestellt und ein Forschungsprojekt zur Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges eingerichtet. Die Historikerin Christa Mertens hatte im Auftrag des Rates in diesem Rahmen ihre Recherchen betrieben und eine ganze Reihe von ehemaligen Zwangsarbeitern im Gebiet um Donezk ausgemacht. 37 von ihnen waren der Einladung des Paderborner Bürgermeisters gefolgt. Menschen, die Jahre der Demütigung erlebt haben, die jedoch ohne Groll seinen Ausführungen folgen. Dass sich Paderborn an sie erinnern würde, hatten sie nicht für möglich gehalten. Heinz Paus sprach mit allen zum Teil hochbetagten Männern und Frauen. Er hörte ihnen mehr als drei Stunden zu, schüttelte Hände und erfuhr Lebens- und Leidensgeschichten. Von einer Frau, die in Paderborn ihr Augenlicht verloren hat. Von Jelena Archipowna Drosdowa, die als Zwangsarbeiterin verschleppt wurde und in der Möbelfabrik Welle Munitionskisten zusammenbauen musste. Er erfuhr auch von Deutschen, die den Zwangsarbeitern Butterbrote zusteckten und von Aleksandr Belewzow, der in der Firma Ostermann eingesetzt war und daran gute Erinnerungen hatte. Heinz Paus überreichte jedem einen Brief und ein Geldgeschenk der Stadt (400 Euro, bei weiter Anreise 450 Euro) und kleine Paderborn-Präsente. Das Echo auf diese Initiative der Stadt Paderborn war groß. Alexander Lukjantschenko, Bürgermeister der Stadt Donezk, sprach von einer "edlen Mission". Ihm sei nicht bekannt, dass sich ein Bürgermeister einer deutschen Stadt auf den Weg gemacht habe, um mit den Betroffenen selbst zu sprechen und ihre Lebensgeschichten zu hören. Dieser Besuch werde beim Internationalen Kongress der Opfer der Naziherrschaft als leuchtendes Beispiel besondere Würdigung erfahren. Auch das Medieninteresse war enorm. Fünf ukrainische TV-Sender und viele Zeitungen berichteten über das Treffen. Bürgermeister Heinz Paus stand gemeinsam mit seinem Donezker Amtskollegen bei einem Live-Interview dem Fernsehsender "Kiewskaja Rus" Rede und Antwort.