In Ungarn geboren, Europa im Blick - Paderborns "Tanz-Botschafterin" Margit Ke …
In Ungarn geboren, Europa im Blick - Paderborns "Tanz-Botschafterin" Margit Keikutt seit 20 Jahren aktiv
Mit Tanz jungen Menschen Mut machen
"Wir haben diesen Nachmittag sehr genossen bei einem Stück westfälischer Kultur. Erstaunlich, wie einfühlsam und engagiert junge Leute mittelalterliche Tänze und Musik darbieten können und offenbar darin auch leben. Es muss eben nicht nur Disco sein." Das Dankeschön kommt aus Helsinki. Hans-Jürgen Klages, Pastor der dortigen Deutsch-Evangelischen Gemeinde schrieb es im Gemeindebrief. Im August hatten die Tanzgruppe "Araneida" und das für die musikalische Begleitung sorgende Ensemble "Hupfertsvogel" von der Städtischen Musikschule Paderborn bei ihrer Finnland-Reise den Mitgliedern der Deutschen Gemeinde viel Freude mit einem Auftritt bereitet und Erinnerungen an die Heimat aufkommen lassen. Seit 20 Jahren hat die Paderborner Diplom-Tanzpädagogin Margit Keikutt genau das im Blick. Die Chefin der Tanzabteilung der Städtischen Musikschule sieht den Tanz als völkerverbindendes Element. "Diese Sprache versteht jeder", weiß sie aus ihrer Arbeit und den bisher vier Internationalen Tanzfestivals, bei denen sie Gruppen aus aller Welt in Paderborn zusammenführte. Die gebürtige Ungarin, die 1962 nach Deutschland kam, weiß wie wichtig es auch ist, mit dem Tanz, jungen Leuten Orientierung zu geben und Mut zu machen für ihr späteres Leben. Gut 400 Kinder und Jungendliche haben in den 20 Jahren des Bestehens die Tanzgruppen der Städtischen Musikschule Paderborn durchlaufen. Mädchen und Jungen, die erfahren haben, dass vor dem Erfolg Fleiß und Schweiß stehen, die viel Schönes und manch Anstrengendes hinter sich gebracht haben und die, auch nach ihrer aktiven Zeit, noch immer die Verbindung zu "ihrer Margit" halten. Dass es auf Tugenden, wie Zielstrebigkeit, Disziplin und Offenheit, heute um so mehr ankommt, hat die 54jährige auf ihrem Lebensweg selbst erfahren. Mit 13 Jahren büffelte sie auf einer Förderschule in München kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland die deutsche Sprache. Nach dem Gymnasium folgte das Studium der Sozialpädagogik in Frankfurt und Bochum. Über Bochum und Detmold führte sie der Weg nach Paderborn, wo sie schließlich die Tanzabteilung der Städtischen Musikschule gründete. Vom Nebenfach im Studium hat sie den Tanz zum Hauptfach gemacht und sich neben dem Beruf zur Diplom-Tanzpädagogin qualifiziert. "Das war schon ganz schön hart, doch es hat sich gelohnt" blickt sie auf diese Zeit zurück. Tanzen soll Spaß und Freude machen, Tanzen soll kein Drill sein, sagt Margit Keikutt und der Erfolg gibt er Recht. Jüngst erst erreichte die Gruppe "Araneida" mit ihrem deutschen Folkloreprogramm beim Bundeswettbewerb "Jugend tanzt" einen hervorragenden zweiten Platz. Auch das breite Interesse an ihren Angeboten spiegelt das wider. Aktuell widmen sich 80 Tänzerinnen und Tänzer von 7 bis 20 Jahren in verschiedenen Gruppen deutscher und internationaler Folklore, historischen Tänzen und Tanztheaterstücken. Das Herz Margit Keikutts schlägt jedoch nicht nur für den Tanz. Seit 1994 ist sie Präsidentin des Deutsch-Ungarischen Freundeskreises Paderborn und setzt sich engagiert für die Verbindung mit der ungarischen Partnerstadt Debrecen ein. Kontakte zu den anderen Partnerstädten Paderborns hat sie über das Partnerschaftskomitee der Stadt und den Tanz immer wieder geknüpft und bei vielen Begegnungen vertieft. "Es genügt halt nicht von Europa zu reden, dafür muss man etwas tun", sagt sie und richtet ihren Blick schon wieder auf das von ihr organisierte "Forum Moderner Tanz", das im nächsten Jahr Tänzerinnen und Tänzer aus fünf Ländern nach Paderborn führen wird. Jens Reinhardt