Barock meets HighTech:
Rathaus und Marktkirche jetzt auch außerhalb der City „begehbar“
Wer die Paderborner Marktkirche mit ihrem frisch restaurierten, prachtvollen Barockaltar besichtigen möchte, muss bald nicht mehr in die Paderborner City fahren: Jetzt existiert ein dreidimensionales virtuelles Abbild der Paderborner Rathausfassade und der Marktkirche, so dass die Kirche bald auch bequem von zu Hause aus via Internet ‚begehbar’ ist. Die Paderborner Firma `Mettenmeier GmbH` und `Leica Geosystems GmbH` haben sich für dieses Projekt zusammengeschlossen und mittels eines 3D-Laser-Scanners die Paderborner Rathausfassade und die Marktkirche eingescannt und vermessen. Eingesetzt wurde der 3D-Laser-Scanner „HDS3000“, eine Entwicklung der Firma Leica Geosystems, die aktuell die technische Spitze auf dem Gebiet des 3D-Scannings markiert. „Das einzigartige Design mit zwei Fenstern erlaubt einen Panoramascan sowohl rundum als auch über Kopf, so dass Daten außergewöhnlich schnell erfasst werden können. Mit der integrierten, koaxialen Kamera erhält man RGB-Farbwerte für jeden einzelnen gemessenen Punkt und somit ein farbiges Abbild der Realität. Der Scanner wird vielfältig eingesetzt: In der Vermessung, im Bauwesen, in der Architektur und Denkmalpflege sowie in der produzierenden Industrie.“, erläuterte Harald Saeger, Verkaufsingenieur bei Leica Geosystems, die Funktionsweise des Gerätes. Der problemlose Außenbetrieb des Scanners wird durch den Einsatz des von der Paderborner Firma Mettenmeier entwickelten Notebooks „microport colibri“ ermöglicht. Seit über 18 Jahren entwickelt und produziert die Mettenmeier GmbH, die zu den führenden Paderborner High-Tech-Unternehmen zählt, mit ihrem Unternehmensbereich “Mobile Solutions” Notebooks für den Gebrauch im technischen Außendienst. „Bei dem Notebook handelt es sich um einen akkubetriebenen Pencomputer, der gegen Regen, Staub und Kälte geschützt und mit einem reflektiven Display ausgestattet ist, das beste Aussichten auf die Anwendungen selbst bei direktem Sonnenlicht ermöglicht. Der „microport colibri“ wird überall dort eingesetzt, wo Daten mobil verarbeitet werden und die Arbeitsumgebung starken Witterungseinflüssen unterliegt“, erklärte Frank Bulla, Business Development Manager der Firma Mettenmeier. Die Marktkirche wurde sowohl von innen als auch von außen gescannt, wobei für den prunkvollen Barockaltar mit seinen vielen feinen Details eine höhere Auflösung als für die restliche Kirche verwendet wurde. Die so entstandenen Bilder ermöglichen eine realitätsnahe virtuelle Besichtigung der Marktkirche; im Inneren der Kirche ist sogar ein Rundumblick möglich. Anlässlich der gerade erst abgeschlossenen Rekonstruktion des Barockaltars der Universitäts- und Marktkirche in Paderborn und dem Beginn der Ausstellung "Friedensfürst und Guter Hirte" in den Museen im Marstall und im Erzbischöflichen Diözesanmuseum veranstaltet die Stadt Paderborn im HNF eine Fachtagung zu den Möglichkeiten baulicher Rekonstruktion und ihren modernen technischen Verfahren und virtuellen Alternativen. Dort wird das Ergebnis der Scan-Aktion als „feldtaugliches Beispiel Paderborner High-Tech-Vermessungstechnologie für die Denkmalpflege“ zunächst am 16. und 17. September 2004 einem Fachpublikum, bestehend aus Vertretern internationaler Hochschulinstitute sowie Vertretern internationaler Unternehmen aus Computer-, Vermessungs- und Softwareindustrie, präsentiert. Begleitend zur Tagung mit Vorträgen renommierter Fachleute stellen zahlreiche Forschungsinstitute aktuelle Projekte aus den Bereichen baulicher Denkmalpflege und Rekonstruktion vor. Besucher sind am Freitag, 17. September 2004 zwischen 14 Uhr und 18 Uhr herzlich eingeladen, sich diese Sonderausstellung anzusehen. Auf die Tagung folgt am Samstag,18. September 2004 die Paderborner Museumsnacht, mit der das Ausstellungsprojekt zu Ferdinand II. von Fürstenberg eröffnet wird. Eine Ausstellung im Historischen Museum im Marstall in Schloß Neuhaus zeigt das Leben und Werk Ferdinands, des Seelsorgers, Dichters, Gelehrten und Mäzenen. Dr. Norbert Börste, Direktor des Historischen Museums im Marstall, plant, die von Leica Geosystems GmbH und Mettenmeier GmbH gescannten Bilder auch in dieser Ausstellung verfügbar zu machen. Schließlich war es Ferdinand, der 1682 den Grundstein zu dieser ehemaligen Jesuitenkirche legte, so dass sie zumindest als „virtuelles Exponat“ neben anderen Zeugnissen vom Leben und Wirken Ferdinands nicht fehlen darf.