„Friedensfürst und guter Hirte. Ferdinand von Fürstenberg (1626 – 1683) – Fürs …

„Friedensfürst und guter Hirte. Ferdinand von Fürstenberg (1626 – 1683) – Fürstbischof von Paderborn und Münster“

Ausstellung im Marstall zeigt Leben und Wirken Ferdinands

Noch bis zum 9. Januar 2005 läuft das Ausstellungsprojekt "Friedensfürst und guter Hirte. Ferdinand von Fürstenberg (1626 - 1683) - Fürstbischof von Paderborn und Münster". Das Historische Museum im Marstall in Schloß Neuhaus zeigt anläßlich dessen mit einer Ausstellung das Leben und Werk Ferdinands und zeichnet die Kulturgeschichte am Hof Ferdinands nach. Die Ausstellung ist täglich, dienstags bis sonntags, von 10 - 18 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Ferdinand von Fürstenberg war ein europäischer Fürst und Bischof. Seine Zeitgenossen bezeichneten ihn als den gelehrtesten Bischof Deutschlands. Bis in unsere Gegenwart hinein dokumentieren Klöster und Kirchen das Wirken des über seine Zeit weit herausragenden Fürstbischofs Ferdinand II. von Fürstenberg. Er wurde 1626 auf Schloß Bilstein geboren und bei den Jesuiten in Siegen erzogen. Nach dem Universitätsstudium in Paderborn, Münster und Köln berief ihn Kardinalstaatssekretär Fabio Chigi an die römische Kurie. Nachdem dieser als Papst Alexander VII. den Stuhl Petri bestiegen hatte, ernannte er Ferdinand zu seinem Geheimkämmerer. In Rom fand er Aufnahme in den Gelehrten- und Künstlerkreis ( u.a. mit Bernini) um den Papst und schloß Freundschaft mit bedeutenden Wissenschaftlern. Nach seiner Wahl zum Bischof von Paderborn 1661 begann Ferdinand eine umfassende Bautätigkeit. Zahlreiche Kirchen wurden in seinem Bistum entweder neu errichtet oder grundlegend renoviert, eine der größten „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ nach dem Dreißigjährigen Krieg. Allein in der Bischofsstadt wuchsen die Franziskaner-, Jesuiten-, und Kapuzinerkirche unter seiner Aufsicht empor. Ähnlich war schon sein Förderer Alexander VII. in Rom verfahren, der aus demselben Grund dichtete, sich mit Geschichtsschreibung befaßte und durch seine Bauaufträge der Stadt seinen Stempel aufprägte. Nach Paderborn zurückgekehrt, begann Ferdinand, den römischen „Musenhof“ in Neuhaus nachzubilden und sich mit gelehrten Männern zu umgeben. 1678 wurde er zusätzlich Bischof von Münster. Aufgrund seiner weit gespannten Interessen entwickelte sich seine Residenz Schloß Neuhaus zu einem gesellschaftlichen und geistigen Mittelpunkt von europäischem Rang. Im Historischen Museum im Marstall wird erstmals eine größere Auswahl der Fülle des bisher unbekannten Quellenmaterials gezeigt, das neben den ausgestellten Gemälden, Grafiken, Möbeln und Gläsern beweist, wie facettenreich das Amt des Fürstbischofs war. Ferdinand war nicht nur Fürstbischof sondern auch Geistesmensch und Mäzen. Er betätigte sich als Dichter und Historiker, und so waren es vor allem Dichter und Historiker, die er aktiv förderte. In keinem anderen Bereich seiner Tätigkeit erwies er sich so sehr als Europäer wie in demjenigen der Gelehrsamkeit. Dadurch wurde er zum Bürger der internationalen Gelehrtenrepublik, in der nationale oder konfessionelle Herkunft, Stand, Beruf und Alter eine untergeordnete Rolle spielten. So konnte er auch als Ausländer, als junger Mann und in hierarchisch niedriger Stellung Vorsteher der römischen Akademie werden, der immerhin alle Päpste seines Jahrhunderts vor ihrer Wahl angehört hatten. Man begegnete sich unter Gelehrten auf gleicher Augenhöhe. Einer der bedeutendsten Gelehrten war Leibniz, mit dem er korrespondierte und der ihn zweimal in Neuhaus aufsuchte. In der Ausstellung werden diverse Korrespondenzen gezeigt ( u.a. aus dem Archiv des Freiherrn von Fürsteneberg – Herdringen und der Niedersächsischen Landesbibliothek Hannover). Zeit seines öffentlichen Wirkens verschickte Ferdinand – als Mittel der Beziehungspflege - gezielt seine eigenen literarischen Werke. Aus der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek Paderborn wurden diverse dieser bibliophilen Kostbarkeiten entliehen und gehören mit zu den Höhepunkten der Ausstellung. Auffallend in der Reihe der heute noch vorhandenen Bücher sind Bände aus rotem Maroquin-Leder und reicher Goldprägung. Neben historischen Büchern sind auch Prachtausgaben der Poetik und Panegyrik aus Ferdinands Bibliothek ausgestellt. Wahrscheinlich kam es Ferdinand nicht so sehr auf eine damals übliche barocke Repräsentationsbibliothek an - ein eigener Bibliotheksraum ist im Schloß Neuhaus zu Ferdinands Zeit nicht nachzuweisen– als vielmehr auf die inhaltliche Seite. Auch im Münzwesen schuf Ferdinand von Fürstenberg bedeutende Kostbarkeiten. Seine Repräsentationsmünzen gehören zu den schönsten, die je in Westfalen hergestellt wurden – etliche davon sind im Marstall zu sehen. Leihgaben aus dem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster dokumentieren die Zeit Ferdinands als Bischof von Münster. Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt ist die Tafelkultur am Hofe zu Neuhaus. Als Ferdinand sein Amt antrat und die Residenz bezog, erließ er sehr schnell eine Hofordnung, die deutlich macht, welch hohen Stellenwert die Mahlzeiten im Tageslauf der Hofhaltung einnahmen. Damit entsprach er einem Trend seiner Zeit, an den Höfen eine aufwendige Tafelkultur zu pflegen. Die Trinkgläser am Hofe Ferdinands spielten dabei eine außerordentlich wichtige Rolle. Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind u.a. Werke von Johann Georg Rudolphi, Jan Matham, Carlo Maratta und Johann Mauritz Gröninger. Zur Ausstellung erscheint der Aufsatzband (mit Katalogteil) „Friedensfürst und Guter Hirte – Ferdinand von Fürstenberg Fürstbischof von Paderborn und Münster“ Hrsg. von Norbert Börste und Jörg Ernesti im Verlag Schöningh – Wissenschaft , ca. 730 Seiten, mit 150 schwarz-weißen und 50 farbigen Tafeln, E 29,90/ sFr 50,80 ISBN 3-506-71319-1 Ausstellung und Buch werden u.a. gefördert durch die Stiftungen Fürstenberg, der Sparkasse Paderborn für die Stadt Paderborn, der Volksbank Paderborn-Höxterund den Förderkreis Historisches Museum im Marstall e.V.