Petra Hartmanns "Kastenbilder" im Stadthaus
Ausstellung auch als Geburtstagsgeschenk
Sie ist gebürtige Paderbornerin, legte am Michaelskloster ihr Abitur ab, wirkt seit Jahren als Kunsterzieherin am Gymnasium Schloß Neuhaus und widmet sich als Künstlerin vornehmlich den Gebieten der Malerei und der Gestaltung plastischer Objekte: Petra Hartmann gibt mit ihren „Kastenbildern“ dem „Bilderbogen“ im Stadthaus Am Abdinghof ein völlig neues Gesicht. Die Ausstellung in dem Verwaltungsflur ist bis zum 25. Februar montags bis mittwochs von 8 bis 16 Uhr, donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr zu besichtigen. In seiner Begrüßungsrede wies Bürgermeister Heinz Paus darauf hin, dass Petra Hartmann auch als „Kunstbotschafterin“ die Stadt Paderborn mehrfach vertreten hat. So waren ihre Werke unter anderem in den Partnerstädten Przemysl, Debrecen und bei der „Art On The Square“ im amerikanischen Belleville zu bewundern. Heinz Paus: „Petra Hartmann benutzt gefundene Materialien verschiedenster Art, die sie in Zusammenhänge bringt, in die sie von Natur aus nicht gehören und setzt sie in Kästen, fügt Gemaltes und Gezeichnetes hinzu, wenn ihr das nötig erscheint.“ Dass der Blumenstrauß des Bürgermeisters bei der Vernissage größer als sonst üblich ausfiel, hatte einen ganz besonderen Grund: Petra Hartmann konnte an dem Tag auch ihren Geburtstag feiern. Prof. Dr. Walter Schrader begann seine Einführungsrede mit einem großen Kompliment. „Ich kenne Petra Hartmann seit ihrem Studienbeginn“, so der Kunstprofessor, „und sage gern, dass sie als eine meiner besten Studentinnen gelten darf und mir heute eine hoch geschätzte Kollegin ist.“ Als Lehrer von Petra Hartmann konnte er ihren künstlerischen Werdegang über Jahrzehnte hin verfolgen und bemerken, wie die intensiven Studien auf vielen künstlerischen Gebieten zur gediegenen Vorbereitung auf die Werkgruppe der Kastenbilder geworden sind. Prof. Schrader: „Kastenbilder, wie auch andere von ihr dinghaft gestaltete Werke, wurden für die Künstlerin attraktiv, insbesondere durch ihre größere sinnliche Präsenz, weil sie immer mehrere Sinne zugleich und direkt ansprechen.“ Der Gegenstandskomplex wird in die Gesamtgestalt einer Miniatur-Bühne verwandelt, die zugleich Welten repräsentieren kann. Auf dieser Bühne treten Gegenstände oder Fragmente von ihnen auf, die meistens nicht sich selbst meinen, sondern wie Schauspieler Rollen übernehmen in einer Szene, die durch den gewählten Titel charakterisiert wird. So ist in der Ausstellung ein Kolibri zu finden, dessen Kopf und Schnabel in der Gestalt eines typischen PKS-Schlüssels gesehen wird. Und auch bei den anderen Körperteilen des Kolibri würde man – außerhalb dieser Komposition – nicht das Geringste von einem Vogel entdecken können, außer vielleicht einem Federchen. Walter Schrader: „Auf den Bildern von Petra Hartmann wird ein höchst geistreiches Spiel um die Differenz der Sachen mit der Ähnlichkeit der Form betrieben." Bei Petra Hartmann wird aus einem gusseisernen Nussknacker und einer Zündkerzenverpackung die Silhouette eines Hauses aus der Weser-Renaissance, und aus einer Strumpfbandschnalle oberhalb einer Türschildklingel die Giebelkrönung einer dazu passenden Hausfassade. „Es ist der intelligente Blick“, stellt Prof. Schrader fest, „der Dingformen in neue Zusammenhänge zu bringen weiß, und es ist die hohe ästhetische Sensibilität, die eine solche Komposition in Form und Farbe störungsfrei zur Erscheinung bringt.“ Witz, Geist und Humor sind ebenfalls eins Auge fallendes Merkmal bei Petra Hartmann. Und so wäre es auch erstaunlich, wenn das Weihnachtsfest nicht auch seine Rolle in der Ausstellung bekäme. Da steht in einem hellblauen Kasten ein einsames Tannenbäumchen und wartet auf den Schnee. Titel des Werkes „Dreaming of a white Christmas“.