Zentrum der westfälischen Glasforschung
Historisches Museum im Marstall
Das Historische Museum im Neuhäuser Marstall ist Zentrum der westfälischen Glasforschung. Die Geschäftsführung des Westfälischen Glasforums wurde jetzt in die Einrichtung des Kulturamtes der Stadt Paderborn verlegt. Das wurde beim Herbsttreffen der überregionalen Vereinigung bekannt, an der zahlreiche Glasforscher aus NRW, Hessen und Niedersachsen teilnahmen. Geschäftsführer ist nun Dr. Norbert Börste, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kulturamtes und verantwortlich für das Historische Museum. Die Erzeugnisse der Glashütten im Paderborner Land sind sehr lange kaum fassbar gewesen. Erst in den letzten 15 Jahren hat die Forschung hier erhebliche Fortschritte gemacht, so dass man nun eine größere Anzahl sehr qualitätsvoller Gläser kennt, die zwischen Eggegebirge und Weser geblasen und mit Schliff, Schnitt und Vergoldungen dekoriert wurden. Voraussetzung dieser Einsichten war die vergleichende Betrachtung der Glasproduktion im ganzen Oberwesergebiet einerseits und die Recherche einheimischer Glasbestände, bei denen die Herkunft aus lokaler Produktion wahrscheinlich gemacht oder durch Archivquellen bestätigt werden konnte. Die Vorbereitungen zur Ausstellung über die Paderborner Glaskunst des 18. Jahrhunderts und die Glashütte Emde im Jahre 2000, insbesondere aber das Zusammenwirken zahlreicher interessierter Museen an der Sicherung möglichst großer Teile des Glasbestandes aus der Hinnenburg für Museen in Ostwestfalen, haben bewiesen, wie viele Kunsthistoriker, Archäologen, Sammler und Wissenschaftler an der Erforschung der älteren Glasherstellung in Westfalen interessiert sind. Es zeigte sich ein großer Wunsch an einem Verbund, der die interdisziplinäre Forschung intensiviert und den Aufbau bzw. den Ausbau von Sammlungen koordiniert. Es entstanden kollegiale Kooperationen, die aktuell dazu geführt haben, dass die Ausstellung im Historischen Museum im Marstall, „Ferdinand von Fürstenberg – Friedensfürst und Guter Hirte“ (noch bis 9. Januar) auch mit großartigen Beispielen der Glaskunst aus der zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts bereichert werden konnte. Das Historische Museum im Marstall hat mit der Sammlung von Hans-Joachim Nachtmann, der über 600 Schank- und Trinkgefäße aus Glas- und Keramik vom Mittelalter bis zur Neuzeit als Stiftung der Stadt Paderborn übergeben hat, ein besonderes Glanzlicht und einen neuen thematischen Schwerpunkt erhalten. Die Stadt Paderborn kann daher wesentliche Teile seiner Sammlung in einem eigenen Museumsbereich im Marstall seit Dezember 2002 dauerhaft präsentieren. Die Sammlung beinhaltet nicht nur den größten Gräftenfundkomplex Westfalens mit zahlreichen Alltagzeugnissen des 13. -20. Jahrhunderts, sondern auch Paradebeispiele von Gläsern der Region. Sie bietet weit darüber hinaus einen hervorragenden Querschnitt deutscher und europäischer Glasproduktion. Hier ist in den nächsten Jahren ein umfassender Katalog zu erwarten, der in Kooperation mit dem Westfälischen Glasforum entsteht. In der heimatkundlichen Schriftenreihe der Volksbank Paderborn-Höxter erschien dazu jetzt auch das Heft „Glaslandschaft zwischen Alme und Weser, Glashütten, Glasfunde und Glassammlungen zwischen Paderborn und Höxter“, herausgegeben von Dr. Norbert Börste, dem Geschäftsführer des Westfälischen Glasforums und Kurator des historischen Museums im Marstall. Das 56seitige farbig illustrierte Heft mit zahlreichen hervorragenden Beispielen der Glaslandschaft zwischen Alme und Weser ist den Filialen der Volksbank Paderborn- Höxter erhältlich.