Bürgermeister Heinz Paus bei britischen Streitkräften im Irak
Gut, wenn Paderborn an uns denkt
Die Straßen von Al Majar al Kabir sind staubig und in schlechtem Zustand. Viele Hütten in der etwa 200 Kilometer nördlich von Basra gelegenen Stadt in der Maysan-Region sind zerstört. Die Folgen des Krieges und der jahrzehntelange bewussten Benachteiligung des Südens und der hier lebenden Schiiten durch den Diktator Sadam Hussein sind spürbar. Ein Landrover und ein "Snatch", ein gepanzerter Kleintransporter, der "1st Battalion Light-Infatrie" der britischen Streitkräfte sind unterwegs in der Stadt, wo im Herbst des letzten Jahres sechs britische Militärpolizisten umgebracht worden waren. Vergessen kann das keiner, auch wenn Land und Leute an diesem Morgen so friedlich wirken. Die beiden Fahrzeuge halten am Straßenmarkt. Gleich nach dem Aussteigen werden die sechs Soldaten und Paderborns Bürgermeister Heinz Paus von Kindern und auch von Erwachsenen dicht umringt. Die Fröhlichkeit ist in die Gesichter der Menschen zurückgekehrt. Viele heben den Daumen, andere winken und suchen das Gespräch. Wie der Junge, der Heinz Paus zu verstehen gibt, dass sein Esel auf den Namen "Sadam" hört. Der geplante Gang über den Markt muss ausfallen, es ist kein Durchkommen, ein ausreichender Schutz ist nicht zu gewährleisten. Das Leben in der kleinen Stadt, die gut 25 Kilometer von der Hauptstadt der Maysan-Region Al-Amarah entfernt liegt, atmet wieder ein Stück mehr Normalität. Zwei Tage war Bürgermeister Heinz Paus auf Einladung der in Paderborn stationierten Brigade im Irak. Dabei besuchte er neben der zweitgrößten irakischen Stadt Basra auch die Maysan-Region. "Bei allen Fortschritten müssen wir doch nach wie vor sehr wachsam und vorsichtig sein", schildert Brigadier Nicholas Carter, der Kommandeur der 20. Panzerbrigade, die nicht einfache Situation. Er ist mit seinen etwa 4000 Soldaten von Basra aus zuständig für zwei Provinzen. Der Terror habe deutlich nachgelassen, so Carter, der erst in diesem Jahr die Führung der Paderborner Garnison übernahm. "Unsere Soldaten haben eine hohe Akzeptanz bei der irakischen Bevölkerung. Die Menschen vertrauen uns, weil sie sehen, dass wir ihnen helfen", sagt er und verweist auf die vielen Arbeitsfelder. Man sichere unter anderem die Grundversorgung, schütze die Bevölkerung vor Terrorakten, bilde irakische Polizisten aus und baue zivile Verwaltungsstrukturen auf. Heinz Paus zeigte sich beeindruckt von dem erfolgreichen Friedensdienst der Paderborner Soldaten. "Diese wichtige Mission von Paderborner Mitbürgern wissen wir in der Heimat zu schätzen", sprach der Bürgermeister den Respekt aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt aus. "Es ist gut, wenn Paderborn an uns denkt", so Carter, der den Besuch des Paderborner Stadtoberhaupts für ein wichtiges Signal der Freundschaft bei diesem schwierigen und gefährlichen Einsatz wertete und ihm Grüße der Soldaten an die Paderborner mit auf den Weg gab. Wie der Friedensdienst der britischen Soldaten aus Paderborn konkret aussieht, erfuhr Heinz Paus unter anderem beim Treffen mit Nick Bavistock, dem Chef des "35. Engineer Regiment" und seinen Soldaten, deren Heimat die Barker Baracks an der Driburger Straße sind. Bei der Fahrt mit einem Schnellboot des "Engineer Regiment" über den Chat-Al-Arab, in dem das Wasser von Euphrat und Tigris zum Persischen Golf fließt, werden die Schäden der von Sadam Hussein in den letzten Jahrzehnten geführten Kriege deutlich: Wracks liegen in der Fahrrinne, die Brücke und Versorgungsleitungen sind zerstört. Die "Pioniere" aus Paderborn arbeiten nicht nur an einer Ersatz-Pontonbrücke, sondern reparieren Überlandstromleitungen, setzten die Wasserversorgung instand, optimieren die Gasversorgung, entschärfen Minen und bauen Sicherungsanlagen. "Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Nick Bavistock. Mit Helm, kugelsicherer Weste und im bewachten Konvoi - so wie immer in den beiden Tagen - besuchte Heinz Paus neben den "Queen's Royal Hussars" aus der Athlone Barracks in Schloß Neuhaus/Sennelager auch das "1 Royal Regiment of Wales, stationiert in der Barker Barracks in Paderborn, und die Militär-Polizei, deren Sitz die Normandy Barracks in Sennelager ist. Die Fahrt führt Paderborns Bürgermeister dabei immer wieder vorbei an unpassierbaren Wohnstraßen, zerfallenen Hütten, großer Armut, Eselskarren, Rikschas und uralten Autos. Immer wieder jedoch bringen winkende, ausgelassene und freundliche Menschen Leben in die von Zerstörung geprägte Umgebung. Ein Signal der Hoffnung, an dem die in Paderborn stationierten britischen Soldaten großen Anteil haben.