Museum im Neuhäuser Marstall

Den Hellweg mit nach Hause nehmen

Ein besonderes Andenken hält das Historische Museum im Neuhäuser Marstall am 1. Februar für die Besucher bereit. Ein Stück des mittelalterlichen Hellweges kann dort jeder ab 15.30 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Führung durch die zu Ende gehende Sonderschau mit nach Hause nehmen. Nun muss keiner mit Eimer und Schaufel anrücken, etwas Papier zum Einschlagen oder eine Plastiktüte reichen. Denn verteilt werden nicht etwa Lehm, Erde und Steine, sondern Teile eines Riesenfotos, das einen Teil des bedeutenden Verkehrswegs aus dem Mittelalter zeigt. Das Kulturamt der Stadt Paderborn und der Förderkreis Historisches Museum im Marstall e.V. laden zu einer kostenlosen Führung ein. Der Ausgrabungsleiter Dr. Georg Eggenstein vom Westfälischen Museum für Archäologie wird noch einmal über die Straße führen und die ausgestellten Originalfundstücke erläutern. Anschließend wird das Hellwegfoto zerschnitten. Die Entdeckung des mittelalterlichen Hellwegs am Balhorner Feld westlich von Paderborn war eine archäologische Sensation. Tief eingedrückte Fahrspuren sowie zahlreiche Fundgegenstände wie Hufeisen, Münzen, Schmuck, Reitersporen etc. vermittelten der Forschung erstmalig einen Eindruck davon, wie es im 13. Jahrhundert auf der bedeutendsten West-Ost-Verbindung des europäischen Kontinents ausgesehen hat. Um diesen einmaligen Befund der Öffentlichkeit präsentieren zu können, wurde im Historischen Museum im Marstall eine Ausstellungskonzeption erarbeitet, die den Hellweg als mittelalterliche Straße möglichst unmittelbar erfahrbar bzw. begehbar machen sollte. Zum Glück war die Straße schon während der Ausgrabungen in einem sehr aufwändigen Verfahren digital fotografiert worden. Aus diesen Daten wurde ein etwa 16 Meter langes Foto zusammengesetzt und im Museum im Maßstab 1:1 auf den Boden geklebt. Von diesem Foto geht eine unglaubliche Anschaulichkeit und Lebendigkeit aus. Die aus Steinen zusammengesetzte Straßenoberfläche mit den Fahrspuren wirkt extrem plastisch und derart täuschend echt, dass zahlreiche der etwa 60.000 Besucher vor dem Betreten zögerten, um nicht über die Steine zu stolpern.