Stadt und Volksbank einig: "Vorhang auf" für neue Kammerspiele im Kötterhagen
40 Millionen-Projekt für Neubebauung von Paderborns "Guter Stube"
Eines der ehrgeizigsten städtebaulichen Projekte in Paderborn kann jetzt in Angriff genommen werden: Auf einer kurzfristig einberufenen gemeinsamen Pressekonferenz haben Bürgermeister Heinz Paus und der Volksbank-Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Bittihn den erfolgreichen Abschluss der Gespräche über die Bebauung des Kötterhagens bekannt gegeben. Mit dieser Vereinbarung sind die Weichen für den Erweiterungsbau der Volksbank, der Errichtung einer Tiefgarage mit 400 Einstellplätzen und dem Neubau der „Kammerspiele“ mit ebenfalls 400 Plätzen definitiv gestellt. Mehr als 40 Millionen Euro wollen die Stadt Paderborn und die Volksbank Paderborn-Höxter hier in den kommenden vier Jahren investieren. Der zwischen beiden Partnern ausgehandelte Vertrag über die Bebauung des jetzigen Volksbank-Parkplatzes hat bereits die erste Hürde genommen: Einstimmig erteilte der Aufsichtsrat der Volksbank am Dienstag dem Projekt seinen Segen. Am Mittwoch nach Pfingsten befasst sich der Kulturausschuss der Stadt mit dem Thema. Die endgültige Entscheidung soll in der Ratssitzung am 15. Juni fallen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kammerspiele, Hartmut Schmidt Riediger, begrüßt nachdrücklich die Vereinbarung. Für die Intendantin der Kammerspiele, Frau Dr. Merula Steinhardt-Unseld, ist die Einigung zwischen Stadt und Volksbank ein weiterer wichtiger Schritt zur Zukunftssicherung des Paderborner Theaters. Bis zum Baubeginn wird indessen noch etwas Zeit vergehen. Nach Billigung des Vertrages durch den Stadtrat sollen zunächst vier Architekturbüros mit der Entwicklung von Plänen beauftragt werden. Als möglicher Baubeginn wird der Sommer 2006 angepeilt. Da der Kötterhagen historischer Baugrund ist und hier Antworten auf Fragen zur Stadtgeschichte vermutet werden, hat auch eine Abstimmung mit der Denkmalbehörde zu erfolgen. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Archäologen und sind zuversichtlich, hier schnell zu Ergebnissen zu kommen“, gab sich Bürgermeister Paus optimistisch. Die Grabungsexperten benötigen, so Paus, aller Voraussicht nach zwei Sommerperioden, um ihre Untersuchungen abschließen zu können. Wenn mit den historischen Ausgrabungen noch in diesem Jahr begonnen wird und die Bauzeit von knapp zwei Jahren eingehalten werden kann, könnte der Bezug der Kammerspiele zum Sommer 2008 erfolgen. Im Herbst desselben Jahres hieße es dann erstmalig „Vorhang auf“ zur Premiere in den neuen Kammerspielen der Stadt Paderborn. Das Projekt Kötterhagen hat eine lange Vorgeschichte. Gut ein Jahr haben Stadt und Volksbank zuletzt über die Neugestaltung der „Guten Stube“ von Paderborn miteinander verhandelt. Neben städtebaulichen und verkehrstechnischen Fragen ging es dabei vor allem um das Zusammenwirken der Partner bei der Planung, Entwicklung und Errichtung des Gebäudekomplexes sowie der langfristigen Nutzung. Mit der jetzt gefundenen Lösung zeigten sich beide Seiten rundum zufrieden. Dr. Bittihn: „Wir haben ein Drei-Gewinner-Modell entwickelt, das die Interessen von Stadt, Volksbank und Öffentlichkeit miteinander in Einklang bringt.“ Nach dem Prinzip einer öffentlich-privaten Partnerschaft (Fachjargon „Private Public Partnership“, kurz PPP) tritt allein die Volksbank als Bauherrin in Erscheinung. Vorteil für die Stadt: In der Volksbank findet sie einen solventen Kooperationspartner, der als Unternehmen der freien Wirtschaft flexibler agieren und nicht zu europaweiten Ausschreibungen verpflichtet ist und deshalb effizienter handeln kann. Damit kann gewährleistet werden, dass die Aufträge in der heimischen Region verbleiben. Bittihn: „Dies ist mit einem Volumen von über 40 Millionen Euro auch ein äußerst bedeutendes Konjunkturprogramm für die regionale Wirtschaft, insbesondere für das heimische Handwerk.“ Dies unterstreicht auch Josef Tack, Hauptgeschäftsführer der Paderborner Kreishandwerkerschaft: „Gerade das Bauhandwerk in unserer Region braucht dringend diese positiven Impulse.“ Dabei investiert die Kreditgenossenschaft selbst rund 20 Millionen Euro in den Erweiterungsbau für ihre Paderborner Zentrale und die Tiefgarage. Diese Parkplätze werden für den innerstädtischen Handel, für die Gäste und Besucher unserer Stadt, dringend benötigt, bestätigt auch Klaus Bruns, Vorsitzender der Paderborner Werbegemeinschaft. Bruns: „Eine Tiefgarage in dieser absolut zentralen Geschäftslage ist ein großer Gewinn für unsere Einkaufsstadt!“ Die Stadt Paderborn stellt aus ihren Etatmitteln 21 Millionen Euro für den Neubau der Kammerspiele zur Verfügung (14 Millionen Euro für den Baukörper und 7 Millionen Euro für die Ausstattung und Technik). Im Gegenzug räumt die Volksbank der Stadt für die Immobilie ein im Grundbuch eingetragenes Nutzungsrecht ein. Dies ist zunächst auf 50 Jahre befristet und verlängert sich automatisch, wenn nicht von einer Partei gekündigt wird. Den Interessen der Öffentlichkeit wollen die beiden Partner Rechnung tragen, indem sie auf einem „Filetgrundstück“ der Paderborner City einen Gebäudekomplex mit „anspruchsvoller Architektur“ und „städtebaulicher Qualität“ errichten. Dabei können die Kammerspiele als Solitär gebaut werden mit einem eigenen Gesicht. Bürgermeister Heinz Paus: „Auf diesem Filetstück in der Innenstadt zwischen Rathaus und Dom, wo heute nur Platz für Autos ist, wird demnächst modernes urbanes Leben mit einer Mischung aus Kunst und Kultur, Dienstleistung, modernen Arbeitsplätzen, Erlebnisgastronomie und niveauvollem Handel einziehen.“ Die gemeinsame Bebauung des Kötterhagens ist, da sind sich Paus und Bittihn einig, auch ein wichtiger Impuls für den Handel und die Kaufmannschaft in der Paderborner Innenstadt.