Internationales Symposium in Paderborn
Canossa als Umbruch Europas
Die Rolle Canossas für den gesamteuropäischen Prozess ist weit bedeutender als bisher vielfach angenommen. Das ist eines der Ergebnisse eines hochkarätig besetzten internationalen Symposiums mit Teilnehmern aus den USA, Frankreich, Italien und Deutschland in Paderborn. Canossa sei ein erster Schritt zur Trennung von Kirche und Staat gewesen. Mit dieser Epoche sei das Prinzip der Wahrheit an vorderste Stelle gerückt und die moderne Wissenschaft habe hier ihre Wurzeln, sagte Prof. Dr. Stefan Weinfurter von der Uni Heidelberg am Rande der Tagung in einem Pressegespräch. Die Auseinandersetzung zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII., die sich an der Frage der Einsetzung der Bischöfe entzündet hatte und im Bannspruch des Papstes und dem bekannten Bußgang Heinrichs IV. im Jahr 1077 nach Canossa kulminierten, war nur ein Aspekt jener Epoche tief greifender Gegensätze und Umbrüche. Mit diesem Symposium bereitet Paderborn eine groß angelegte kunst- und kulturhistorische Ausstellung unter dem Titel "Canossa 1077 Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik" im Jahre 2006 wissenschaftlich vor. Stadt, Erzbistum und Landschaftsverband Westfalen-Lippe haben sich dazu in einer Ausstellungsgesellschaft zusammengefunden. Nach der Karolingerzeit erlebte die Stadt und die Kirche von Paderborn im 11. und 12. Jahrhundert ihre zweite Blüte. Der Fokus der Ausstellung wird auf den Bischöfen zwischen Reichsdienst und römischen Zentralismus liegen. Eine Fülle kostbarster Exponate aus Europa und den USA wird in der Ausstellung zu sehen sein.