Lob aus New York
Nobelpreisträger begeistert von Paderborner Fürstenberg-Tagung
Paderborn/New York (IP). "Faszinierend!" Dieses Prädikat gibt der heute in New York lebende Zellforscher und Nobelpreisträger Professor Günter Blobel der Tagung der Stadt Paderborn zum Thema „Rekonstruktion – Alternativen zur baulichen Wiederherstellung“ im Heinz Nixdorf MuseumsForum im Rahmen des Paderborner Fürstenberg-Projekts. Prof. Günter Blobel hatte 1999 den Nobelpreis für Medizin erhalten und über 1,6 Millionen DM, der ungeteilten Preissumme des Nobelpreises für Medizin und Physiologie zum Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche gestiftet. Prof. Bobel war es auch, der für die von ihm 1995 gegründete US-amerikanische Fördergesellschaft „Friends of Dresden „ Persönlichkeiten wie Henry Kissinger, David Rockefeller, wie Henry Arnhold und die Guggenheim-Nachkommin Iris Love gewonnen hat. Keiner der weltweiten Fördervereine für die Frauenkirche kann mit so viel Prominenz aufwarten wie der amerikanische. Der 68jährige Biochemiker von der Rockefeller-Universität in New York schrieb nun direkt dem Organisator und Tagungsleiter des Kongresses, Dr. Norbert Börste unter anderem: "Das Programm ist faszinierend!" Er setze sich schon seit vielen Jahren für die Rekonstruktion vernichteter Bauten wie die Frauenkirche Dresden und die Paulinerkirche Leipzig ein. Leider finde er in Deutschland eine sehr starke Tendenz, besonders von Seiten der Denkmalpfleger, gegen den Wiederaufbau. Das habe er ganz besonders in Leipzig gemerkt. Die 1968 erfogte Sprengung der völlig intakten Paulinerkirche bezeichnet der Nobelpreisträger als einen "Akt der Kulturbarbarei". Was da zerstört wurde, könne nach den Ansichten vieler Denkmalpfleger und der überwiegenden Mehrheit deutschen Architekturjournalisten mit Ausnahme von Dankwart Guratzsch eben nicht wiederaufgebaut werden. Prof. Günter Blobel: "Mit dem Wiederaufbau kreiert man ein Disneyland und es sind eben nur Kopien, so lautet das Argument dieser Leute. Es wird noch lange Zeit in Deutschland dauern bis die akademische und offizielle Denkmalpflege sich von diesen irrigen Ansichten entfernen wird. Bis wir das erreicht haben, werden die deutschen Städte immer trostloser und steriler werden und zwar irreversible!" Auch in Berlin gibt es seit Jahren gibt es einen erbitterten Streit zwischen Denkmalpflegern und Bürgern, die den Berliner Palast der Republik abreißen lassen und das Stadtschloss wieder auferstehen lassen wollen. Mit dem neuen „Humboldt-Forum“ soll Berlin dann „Weltort der Kultur“ werden, wie Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Wiederaufbauvereins auf der Paderborner Tagung vortrug. Auch über dieses Thema wurde heftig diskutiert, aber auch die Möglichkeiten und Methoden der Rekonstruktion historischer Bausubstanz mit zahlreichen Vorträgen, einer öffentlichen Podiumsdiskussion und einer begleitenden Ausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum exzellent ergänzt. Ausgerichtet wurde diese bundesweite Tagung mit europäischer Beteiligung von der Stadt Paderborn in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Historisches Museum im Marstall und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Besonders positiv vermerkt wurde von Prof. Klaus Trouet, Vizepräsident und Mitbegründer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Bonn, dass viele Bürger immer noch bereit sind, für die Rekonstruktion und Erhaltung von historischen Gebäuden zahlreiche Spenden zu leisten. Denkmalschützer nahmen in der Debatte eine etwas reserviertere Haltung ein und lehnen in der Regel komplette Rekonstruktionen ab, wobei die jetzt fertig gestellte Rekonstruktion des Paderborner Barockaltars der Marktkirche aber auch von der Denkmalpflege positiv beurteilt wird. Ein besonderer Schwerpunkt der Tagung waren dabei moderne Computerverfahren, die in der Bauforschung und bei der Wiederherstellung von Gebäuden genutzt werden. Für Archäologen, Architekten, Denkmalpfleger, Ingenieuren und Städteplaner eröffnen sich mit der virtuellen Darstellung historischer Objekte aufregende neue Wege: “Die High-Tech-Denkmalpflege steht noch ganz am Anfang“ schwärmte der Berliner Landeskonservator Prof. Jörg Haspel. Mit dieser Hochtechnologie-Denkmalpflege könne auch die Pädagogik profitieren, sagte Professor Gerd Weis, Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und empfahl Bürgermeister Heinz Paus, dieses Thema auf Dauer in Paderborn mit wiederkehrenden Tagungen zu etablieren. Heinz Paus sieht darin eine überregionale Anerkennung des Kultur-, Technologie- und Universitätsstandorts Paderborn und nahm diesen Vorschlag gerne entgegen und versprach nach dem sehr gelungenen Kongress mit äußerst positiver Resonanz hinsichtlich Thema, Organisation und Programmgestaltung, diesen Vorschlag der Elite der deutschen Denkmalpflege wohlwollend zu prüfen. Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof, Gelehrter und Mäzen, ist eine der interessantesten Gestalten der Geistesgeschichte Westfalens. Das Fürstbistum Paderborn mit der Residenz Neuhaus als Zentrum gelangte in religiöser, politischer, wirtschaftlicher, sozialer, wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht unter Ferdinand zur Blüte. Bedeutende Künstler repräsentieren den "Fürstenberger Barock". In Paderborn setzte er wichtige bauliche Akzente. Das Prunkstück: die kürzlich vollendende Rekonstruktion des im Krieg völlig zerstörten Barockaltars in der von Ferdinand gestifteten ehemaligen Jesuitenkirche. Die Wiederherstellung ist äußerer Anlass für das Paderborner Fürstenberg-Projekt, das noch bis zum 9. Januar 2005 mit Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen und Exkursionen Ferdinand von Fürstenberg und sein Wirken vorstellt.