Stadtplaner Dr. Anno von Reth geht in den Ruhestand
Die Zukunft im Blick
Sie nannten ihn nur "Unser Doktor" und jeder im Technischen Rathaus der Paderborner Stadtverwaltung an der Pontanusstraße wusste sofort, wer gemeint war: Dr. Anno von Reth. Im Alter von 65 Jahren nahm er jetzt Abschied von seiner Tätigkeit als Leiter der Abteilung Stadtentwicklung im Amt für Stadtplanung. Der studierte Geograph stammt aus Kassel und hat 1973 seinen Dienst bei der Stadt Paderborn begonnen. Dr. von Reth war in den zurückliegenden Jahren an vielen vorausschauenden Konzepten engagiert beteiligt. Dass Paderborn im Zukunftsfähigkeits-Test der Zeitschrift GEO auf dem vierten Platz aller Großstädte in Nordrhein-Westfalen vorstieß, war auch sein Verdienst. Konsequent verfolgte er die Linie, die vorbereitende Bauleitplanung auf das Ziel auszurichten, Paderborn als vollwertiges Oberzentrum auszubauen. Dabei legte er besonderen Wert auf den Naturhaushalt. Das wurde beispielsweise deutlich, als es in den 80ziger Jahren um einen neuen Industriestandort für Paderborn ging. Für das dafür in Frage kommende, jedoch ökologisch bedenkliche Gebiet Sander Bruch/Dreihausen konnte eine Alternative gefunden werden. Als die Zementindustrie später auf ihre Abgrabungsflächen in Mönkeloh verzichtete, schlug er den heutigen Standort am Autobahnzubringer für dieses Gebiet vor. In der Verkehrsplanung sah es Dr. von Reth als wichtig an, der Stadtverträglichkeit und dem Umweltschutz ein größeres Gewicht zu geben. Die in dieser Hinsicht kritischen Abschnitte des mittleren Paderborner Stadtrings wurden aufgegeben. Ein weiteres Interesse im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung galt der Förderung der regenerativen Energien. Das vom Umweltausschuss formulierte Ziel, im Jahresdurchschnitt fast zehn Prozent des Stromverbrauchs - einschließlich Industrie - durch Windkraft zu erzeugen, wurde verwirklicht. Der Planer setzte dies in intensiven Diskussionen mit den Bürgerinnen und Bürgern nicht in einem riesigen Windpark, sondern nur auf 1,6 Prozent der Stadtfläche um. Aber auch Planungen, die nicht im ursprünglichen Sinne Pflichtaufgaben der Stadtentwicklung waren, hat Dr. von Reth mit betreut. "Und schon gab's ein neues Ziel - von Berlin bis Altenwiel neue Linien nimmersatt - schafft ICE's in diese Stadt" dichteten von Reths Kollegen in ihrem Abschiedslied. In der Tat hat Dr. von Reth gemeinsam mit den Verwaltungsspitzen den Anschluss Paderborns an das Schnellverkehrstnetz der Bahn vorangetrieben. Was lag da näher, als ihm zum Abschied eine Fahrt im ICE-Führerstand von Hannover nach Berlin zu schenken.