„Das Liborifest in der Zeit des Nationalsozialismus“
Samstag, 30. Oktober um 20 Uhr im Großen Saal des Historischen Rathauses
Den Festvortrag der Liborius-Gesellschaft Paderborn im Rahmen des Empfang des Bürgermeisters zum Herbstliborifest hält am Samstag, 30. Oktober um 20 Uhr im Großen Saal des Historischen Rathauses Professor Ulrich Wagener. Der Vorsitzender der Kommission für Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn, spricht mit Lichtbildern zum Thema: „Das Liborifest in der Zeit des Nationalsozialismus“. Musikalisch am Flügel umrahmt wird die öffentliche Feierstunde von dem 16jährigen Schüler Denis Wiens. Der Eintritt ist frei. 1936 feierte Paderborn die 1100jährige Wiederkehr der Übertragung der Reliquien des hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn im Jahre 836. Zahlreiche kirchliche und weltliche Gäste weilten in der „glücklichen Stadt an der Pader“ (Zitat aus der Antiphon der Liborivesper). Am Liborisamstag stieg auch der Münsteraner Bischof und spätere Kardinal Clemens August Graf von Galen zusammen mit dem damaligen Paderborner Erzbischof Kaspar Klein die Stufen zum Liborischrein empor. Der „Löwe von Münster“ – bekannt geworden durch seine flammenden Euthanasie-Predigten gegen das Nationalsozialistische Regime – sprach dann im restlos überfüllten Dom den bedeutungsvollen Satz „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Krasser konnte der Gegensatz nicht sein: Als die Bischöfe nach der Erhebung der Liborireliquien aus dem Paderborner Dom auszogen, wehten bereits aus dem Helm der Paderborner Bischofskirche unter Zwang die Hakenkreuzfahnen. Doch die nationalsozialistischen Machthaber wagten offenbar nicht, das von Tausenden Gläubigen besuchte Liborifest zu stören. Sie mussten aber mit ansehen, wie eine Gruppe Schüler demonstrativ der Kutsche des Paderborner Erzbischofs die Pferde ausspannte und selbst den Wagen bis zum Erzbischöflichen Palais zog. Einer der Schüler war der spätere langjährige Vorstandssprecher der Deutsche Bank AG, Dr. Friedrich-Wilhelm Christians, damals Schüler des Gymnasiums Theodorianum in Paderborn. Die Liborius-Gesellschaft besteht aus den Mitgliedern Stadt, Erzbistum, Metropolitankapitel und Heimtverein Paderborn. Die Gesellschafter werden z.Zt. vertreten durch Bürgermeister Heinz Paus, Generalvikar Manfred Grothe, Dompropst Dr. Wilhelm Hentze und Erzbistumsarchivar Gerhard Sander, dem Vorsitzenden des Heimatvereins. Geschäftsführer ist Dr. Volker de Vry.