Tag des offenen Denkmals am 12. September
Kloster kann besichtigt werden
Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, sind in der Stadt Paderborn drei Denkmäler für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Paderborner Wasserkunst (das alte Wasserhebe- und Verteilungssystem), das Kloster der Schwestern der Christlichen Liebe an der Warburger Straße 2 und der Ausländerfriedhof in der Trothastraße in Schloß Neuhaus laden Interessierte zu einem Besuch ein. Stadtbaurat a. D. Wolf Köster lädt am Sonntag um 10 und um 15 Uhr zu einem Vortrag über die alte Paderborner Wasserkunst in das Adam-und-Eva-Haus ein. Studiendirektor a. D. Klaus Hohmann wird an diesem Tag um 10, 11.30 und 17 Uhr durch das Kloster (Treffpunkt ist die Klosterpforte an der Warburger Str. 2) führen. Der Schloß Neuhäuser Ortsheimatpfleger Michael Pavlicic bietet um 11 und um 14 Uhr Führungen über den Ausländerfriedhof an. Die Zufahrt über die Trothastraße wird ausgeschildert. Neben der Infanteriekaserne an der Elsener Straße ist das Kloster der Schwestern der Christlichen Liebe das weitläufigste Bauensemble unter Denkmalschutz in Paderborn. Die Genossenschaft wurde 1849 von Pauline von Mallinckrodt (1817-1881) gegründet. Ihre Familie war mit Paderborn durch deren Mutter Bernhardine von Hartmann verbunden. Deren Vater war der letzte fürstbischöfliche Hofrat des Hochstifts Paderborn. Als die Familie 1839 nach Paderborn gezogen war, wurde Pauline von Mallinckrodt zum Motor vielfältiger Aktivitäten in der örtlichen Armenpflege. In die von ihr gegründete erste Kinderverwahranstalt am Ort nahm sie 1842 die ersten blinden Kinder auf. Parallel betrieb Pauline von Mallinckrodt die Gründung einer geistlichen Genossenschaft zur Betreuung der Blinden, die 1849 entstand. Schon 1851 begann die Ausdehnung der Genossenschaft auf andere Orte. Das Paderborner Kloster wurde zum Generalmutterhaus. Das Mutterhaus der Schwestern der Christlichen Liebe besticht als weitgehend unveränderte, sehr differenzierte historische Klosteranlage des 19. Jahrhunderts mit Erweiterung des 20. Jahrhunderts durch die bauliche Geschlossenheit barockisierender Gebäude. Prägend sind die reiche Ausstattung der Bautrakte und der Anlagen durch neogotische Statuen. Der Klosterkomplex ist auch städtebaulich als östliches Glied einer Kette großer Bau- und Parkanlagen am Südrand der Innenstadt bedeutsam. Unter dem Motto „Wie läuft’s?“ haben Wolf Köster, Ortskurator der Stiftung Denkmalschutz, die Untere Denkmalbehörde der Stadt und Mitarbeiterinnen der E.ON Westfalen Weser AG eine Präsentation der alten Paderborner Wasserkunst vorbereitet. Im Adam-und-Eva-Haus soll durch einen Vortrag des ehemaligen Stadtbaurates Wolf Köster, eine Ausstellung und durch einen anschließenden Rundgang durch die Stadt zu markanten denkmalwerten Standorten das alte Wasserhebe- und Verteilungssystem wieder lebendig werden. Es wird möglich sein, einen bisher nicht zugänglichen kleineren Kump mit einer besonderen Geschichte zu besichtigen. Das System basierte auf einer vertraglichen Vereinbarung zwischen dem Fürstbischof und der Stadt aus dem Jahre 1523. Es war um 1580 fertiggestellt und funktionierte mit technischen Modifzierungen bis in das 19. Jahrhundert. Entscheidender Anstoß war nicht gewachsener Trinkwasserbedarf, sondern der an Löschwasser. Paderborn hatte, wie auch viele andere Städte, immer wieder große Feuersbrünste zu beklagen. Auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Senne, östlich des Sennelagers, auf dem Dörenkamp, befindet sich eine Gräberstätte. Als Kriegsgefangenenfriedhof eingerichtet und benannt, setzte sich im Laufe der Jahre im Volksmund immer mehr der Name Franzosenfriedhof durch. Die heutige offizielle Bezeichnung der Gräberstätte lautet Ausländerfriedhof. Auf der parkähnlich angelegten Fläche fanden 663 Tote ihre letzte Ruhe. Auf einigen Grabstätten befinden sich Grabsteine oder auch nur Steinplatten mit Namensinschriften. Die meisten Gräber aber sind eingeebnet und mit einer Rasendecke, unterbrochen von namenlosen Gedenksteinen, bedeckt. In der Mitte der Anlage steht ein größeres Denkmal aus Sandstein, das 1918 von einem französischen kriegsgefangenen Architekten entworfen und von Gefangenen errichtet wurde. Die Gedenkinschriften sind in vier Sprachen verfasst. Die Geschichte dieser Gräberstätte führt zurück in das Jahr 1914, als der Erste Weltkrieg begann. Unter den hier Bestatteten befinden sich hauptsächlich Franzosen, Engländer, Russen, Belgier, Rumänen, Bulgaren und Italiener. In einer großen Umbettungsaktion Anfang der 60er Jahre wurden zudem alle ausländischen Toten, die während des Zweiten Weltkrieges und danach auf städtischen und Gemeindefriedhöfen bestattet worden waren, hierher überführt. Außerdem ruhen hier Kleinkinder, die vom Friedhof Salzkotten umgebettet wurden.