Vom 16. September bis 9. Januar
Fürstenberg-Projekt in Paderborn
Er war ein barocker Herrscher und eine der interessantesten Persönlichkeiten Westfalens: Fürstbischof Ferdindand II. von Fürstenberg, Seelsorger, Gelehrter, Dichter und Mäzen (1626-1683). Die Stadt Paderborn und weitere Einrichtungen und Vereine würdigen ihn mit einem Projekt vom 16. September bis zum 9. Januar. Anlass ist die kürzlich fertig gestellte Rekonstruktion des wichtigsten Ausstattungsstückes der bedeutendsten Kirchenstiftung des Fürstbischofs: der Barockaltar in der von ihm gestifteten Jesuitenkirche (heutige Markt- und Universitätskirche). Den Auftakt zum Projekt bildet eine Fachtagung im Heinz Nixdorf MuseumsForum vom 16. bis 19. September. In einer mit Spannung erwarteten Podiumsdiskussion werden dabei am 16. September ab 17.30 Uhr Alternativen zur Rekonstruktion im Mittelpunkt stehen. Die Möglichkeiten baulicher Rekonstruktion und ihre modernen technischen Verfahren und virtuellen Alternativen stehen im Zentrum der Veranstaltung. Am 18. September öffnen mit der Paderborner Museumsnacht die beiden großen Ferdinand-Ausstellungen ihre Pforten. Das Diözesanmuseum präsentiert „Fürstenberger Barock. Kunststiftungen unter Ferdinand von Fürstenberg“, während sich das Historische Museum im Marstall in Schloß Neuhaus mit der Ausstellung „Ferdinand II. von Fürstenberg: ein westfälischer Fürstbischof von europäischer Bedeutung“ dem Leben und Werk Ferdinands widmet Eine dritte Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte im Adam-und-Eva-Haus würdigt ab 17. Oktober das umfangreiche Schaffen des Paderborner Stadtbaurats und Kulturpreisträgers Paul Michels, ohne dessen vor dem Zweiten Weltkrieg entstandene detaillierte Fotodokumentation die Rekonstruktion des Barockaltars nicht möglich gewesen wäre. Spektakulärer Mittelpunkt des Projekts ist sicher die Marktkirche mit dem vergoldeten Barockaltar. Er sollte im Zentrum eines Ganges durch Ferdinands Paderborner Kirchen stehen. Sinnvoller Abschluss ist der Besuch der Franziskanerkirche mit Gemälden von Rudolphi und dem Grabmal Ferdinands. Die Theologische Fakultät öffnet ihre Pforten zur Besichtigung der Gemälde von Fabritius im Rahmen von Führungen. Zwei Konzerte mit Barockmusik auf alten Instrumenten in historischer Aufführungspraxis an zwei wichtigen Orten der barocken Prachtentfaltung des Fürstenberger Barocks gehören ebenfalls zum Ausstellungsprojekt: Am 18. September spielt das Collegium 1704 aus Prag um 18 Uhr in der Marktkirche Orchesterwerke aus der Entstehungszeit des originalen Barockaltars. Im Audienzsaal von Schloß Neuhaus spielen am Sonntag, 21. November, um 18 Uhr Lucy van Dael (Barockvioline) und Bob van Asperen (Cembalo) Kammermusik, ebenfalls aus der Fürstenberg-Zeit. Im Rahmen des Projektes werden außerdem Vorträge, Exkursionen und Führungen angeboten. Vorträge zum Thema bietet u.a. der Altertumsverein (Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.v.) in der Theologischen Fakultät. Das Kulturamt veranstaltet Exkursionen auf den Spuren Ferdinands von Fürstenberg. Informationen hierzu erteilt: Dr. Norbert Börste, Tel. 0 52 51 / 88 10 45, n.boerstepaderbornde Die Stadtführung „Ferdinand von Fürstenberg und seine Zeit“ sowie Führungen in den Ausstellungen im Diözesanmuseum, im Adam-und-Eva-Haus und in den Museen im Marstall Schloß Neuhaus können gebucht werden über die Tourist Information Paderborn Tel.: 0 52 51 / 88-29 80, Fax: 0 52 51 /88-29 90, E-Mail: tourist-infopaderbornde Das Fürstbistum Paderborn mit der Residenz Neuhaus als Zentrum gelangte in religiöser, politischer, wirtschaftlicher, sozialer, wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht unter Ferdinand zur Blüte. Bedeutende Künstler repräsentieren den „Fürstenberger Barock“. Leibniz besuchte Ferdinand in Neuhaus, Spinoza korrespondierte mit ihm. In Neuhaus verfasste Ferdinand die Monumenta Paderbornensia und erarbeitete mithilfe zahlreicher Wissenschaftler die Historia Westphaliae und die ersten Bände der Annales Paderbornenses. Die Barockisierung des Domes erfuhr ihre Vollendung, zahlreiche Kirchen und weitere Bauprojekte wurden errichtet oder grundlegend renoviert, darunter die Paderborner Franziskaner-, Jesuiten- und Kapuzinerkirche. Auch den Neuhäusern ließ Ferdinand eine neue Kirche errichtern. Für die Busdorfkirche, die Klosterkirche in Corvey und die Warburger Dominikanerkirche stiftete er prächtige Hochaltäre.