Gemeinschaftsaktion sichert Archiven wichtige Dokumente
Papierzerfall stoppen
Das tut jedem Archivar in der Seele weh. Die schönsten Dokumente zerfallen wie von Geisterhand. Besonders betroffen: Nicht etwa das in der Antike verwendete und aus Tierhaut hergestellte Pergament und das in Deutschland seit dem 14./15. Jahrhundert allmählich an seine Stelle tretende Hadernpapier (Grundstoff: Lumpen), sondern die seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis etwa 1960 auf Zellulosebasis industriell gefertigten Papiere. Hohe Anteile an Schwefelsäure führen trotz optimaler Lagerung bis zum Zerfall des Papiers. Allein in den staatlichen und kommunalen Archiven des Landes NRW sind, nach einer Erhebung von 1993, 293.000 lfd. Meter Archivgut vom Papierzerfall bedroht. Die Stadt Paderborn hat beschlossen, das Säureproblem gezielt anzugehen. In einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren soll das Problem gelöst sein. Gemeinsam mit dem Kreisarchiv Paderborn und dem Archiv des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V., wurde jetzt die Aktion gestartet. Die erste Aktenfuhre ging per LKW nach Leipzig zum Spezialunternehmen Preservation Academy auf Reisen. Die Ladung von 2,7 Tonnen (1,7 Tonnen Stadtarchiv, 0,7 Tonnen Kreisarchiv, 0,3 Tonnen Altertumsverein) entsprach einem Auftragsvolumen 66.250 Euro. Allein im Paderborner Stadtarchiv müssen 550 lfd. Meter Archivgut entsäuert werden. Nach derzeitigem Preisstand werden dafür gut 400.000 Euro erforderlich sein. Ein besonders wichtiger Kooperationspartner ist bei diesem Projekt auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Westfälisches Archivamt), der das Paderborner Vorhaben, das landesweit Vorbildcharakter beanspruchen kann, in erheblichem Ausmaß finanziell fördert. Seit wenigen Jahren stehen Verfahren für den Masseneinsatz bei der Papierentsäuerung zur Verfügung. Im Vergleich zu konventionellen Erhaltungsmaßnahmen betragen die Kosten der Massenentsäuerung nur einen Bruchteil. Bedingt durch den riesigen Bedarf sind aber dennoch erhebliche Investitionen erforderlich.