Alternativen zur Rekonstruktion
300 Experten tagen in Paderborn
Über moderne Alternativen zur Rekonstruktion beraten in Paderborn mehr als 300 Experten aus dem gesamten Bundesgebiet. Die zweitägige Tagung führt im Heinz Nixdorf MuseumsForum erstmals alle auf dem Gebiet tätigen Fachleute zusammen. Neben Architekten, Archäologen, Denkmalspflegern, Kunsthistorikern sind auch Städteplaner, Ingenieure und Informatiker dabei. Bei dem von der Stadt Paderborn in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisierten Treffen werden rund 50 Rekonstruktionsprojekte vorgestellt. Zu sehen sind neben der herkömmlichen Rekonstruktion auch der Einsatz von Scannern und dreidimensionalen Computerrekonstruktionen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums mit dem Marsexpressprogramm. Die erfolgreich abgeschlossene Rekonstruktion des 1945 zerstörten Barockaltars der Paderborner Marktkirche bildete den Anlass für die Tagung. Durch die Bürgerinitiative "Förderverein Barockaltar der Marktkirche", das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Paderborn wurde der Barockaltar in seiner ursprünglichen Gestalt nach 15 Jahren 2004 fertig gestellt. Diese gelungene Wiederherstellung steht in einer Reihe prominenter internationaler Rekonstruktionsvorhaben, die zum Teil noch in Planung sind, bzw. sehr kontrovers diskutiert werden. Dazu gehören Projekte wie der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, des Braunschweiger Schlosses und des Historischen Neumarktes und der Frauenkirche in Dresden. Was ist rekonstruierbar, was nicht? Was können wir und was dürfen wir rekonstruieren? Wo ist eine virtuelle Rekonstruktion eine sinnvolle Alternative? Welche alternativen Rekonstruktions- und Hightechmöglichkeiten gibt es? Antworten auf diese und weitere Fragen wollen die Teilnehmer bekommen. Den Befürwortern der Rekonstruktion zerstörter architektonischer Meisterwerke, die untergegangene Bauten wieder auferstehen lassen möchten, stehen Kritiker gegenüber, die in Rekonstruktionen nur Kopien sehen und die entstandenen Bauwerke als Disneyland-Architektur verwerfen. Diese kontroversen Fronten werden neben der Tagung auch die öffentliche Podiumsdiskussion prägen. An der Tagung nehmen zahlreiche Hochschulinstitute (unter anderem TU Braunschweig, TU Darmstadt, FH Oldenburg, FH Lippe-Höxter, Max-Planck-Institut für Informatik, Saarbrücken, Uni Paderborn) sowie internationale Unternehmen aus der Computer-, Vermessungs- und Softwareindustrie und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt teil.