Entlastung allein genügt nicht

Stadt Paderborn beteiligt sich am Projekt "Pflegebegleiter"/ Info am 15. Dezember

Der größte Pflegedienst in der Bundesrepublik Deutschland gehört weder zur Diakonie noch zur Caritas oder AWO. Es ist die Familie! Die eigenen Angehörigen kümmern sich, pflegen ihre alte Mutter, den Vater, Mann, Frau oder andere Verwandte. 90 Prozent der älteren Menschen werden zuhause gepflegt. Doch diese Verantwortung kann nicht nur auf wenigen Schultern ruhen. Das bundesweite Modellprojekt „Pflegebegleiter“ will pflegende Angehörige unterstützen und begleiten – damit Pflege zu Hause gelingen kann. Die Stadt Paderborn beteiligt sich daran und lädt interessierte und engagierte Menschen, die sich kostenlos zur Pflegebegleiterin oder zum Pflegebegleiter fortbilden möchten zu einer Info-Veranstaltung am 15. Dezember um 20 Uhr in die Volkshochschule am Rathausplatz 7 ein. Die Fortbildung beginnt im Januar 2006. Weitere Infos und Anmeldungen für die Fortbildung bei Ruth Wichmann Tel.:05251-88-2053 (Di und Do:10 -12 Uhr) E-Mail: r.wichmannpflegebegleiterde und Michael Kramps, Seniorenbüro des Sozialamtes der Stadt Paderborn, Am Abdinghof 11, Tel: 05251/ 88-18 23, E-Mail: m.krampspaderbornde. Infos auch im Internet unter der Adresse "www.pflegebegleiter.de". Der Grundgedanke des Projektes: Pflegende Angehörige, die sich auf hilfebedürftige Menschen einlassen, mit ihnen zusammenleben und für ihre Lebensqualität Sorge tragen, lassen meist ihre eigenen Bedürfnisse außer Acht. Sie brauchen nicht nur Freiräume zum erholen, viele von ihnen sind auch daran interessiert, ihre Situation besser zu verstehen und hinzuzulernen, um Pflege zu Hause für alle Beteiligten sinnerfüllt und befriedigend gestalten zu können. „An genau dieser Motivation setzt das Pflegebegleiter-Projekt an“, so Michael Kramps, Leiter des Seniorenbüros, der dieses Projekt für die Stadt Paderborn gewinnen konnte. Kramps weiter: „Die Sorge um die Pflege von Familienangehörigen fordert viel, wenn sie auf wenigen Schultern ruht. Das Pflegebegleiter-Projekt vertritt deshalb die Idee einer gemeinsamen Verantwortung für die Sorge um pflegebedürftige alte Menschen: in der Nachbarschaft, der Kommune, der Gesellschaft.“ Ziel ist es durch Unterstützung pflegender Angehöriger, die psychischen, physischen und finanziellen Kosten der familiären Pflege zu reduzieren: es soll ermöglicht werden, dass Pflege eines Angehörigen im familiären Rahmen gelingen kann. Die Unterstützung der „Pflegebegleiter“ besteht nicht in der pflegerischen Tätigkeit, auch nicht in der Betreuung von Pflegebedürftigen, sondern im Wesentlichen darin, pflegende Angehörige psychisch und mental zu stützen und deren Kompetenzen zu stärken. Dazu werden im Rahmen des Modellprojektes Freiwillige zu Pflegebegleitern ausgebildet. Sie leisten Hilfe zur Selbstsorge und Organisation der Pflege. Auf einen Schwerpunkt des Projektes verweisen die Projektinitiatorinnen für den Raum Paderborn Hiltrud Greitemann und Ruth Wichmann: „Dieses Projekt versteht sich als Wegbereiter, hin zu mehr Miteinander in der Gesellschaft. Es geht nicht darum eine neue Einrichtung unter vielen zu schaffen, sondern charakteristisch für dieses Modell ist das Ziel der Stärkung sozialer Netze.“ Wichmann weiter: „Ein neues Verständnis vom Miteinander in unserer Gesellschaft soll entstehen. Die neue Nachbarschaftshilfe, ausgeführt durch engagierte und informierte Menschen. Verstanden als eine Art Bewegung, ähnlich die der Hospizbewegung.“