Auch die Straßenbahn fuhr über die Brücke
Wo einst das alte Schätzchen stand
Es war ein königlicher Entwurf. 1909 nämlich hatte die königliche Eisenbahndirektion in Cassel die Brücke über die Bahnstrecke Paderborn - Brackwede entworfen und geplant. Ein Jahr später wurde sie schließlich fertig gestellt. Es war eine so genannte Dreifeldbrücke (3 x 17 Meter) aus genieteten Stahlblechen. Die Gesamtlänge des zehn Meter breiten Bauwerks betrug 51 Meter. Die Lasten wurden von schlanken Stahlstützen in der Mitte der Brücke gehalten. Die Widerlager der Brücke bildeten Schwergewichtsmauern aus Beton. Ursprünglich fuhr auch die Straßenbahn über die Brücke, wenn sie vom ehemaligen Depot am Tegelweg über den damaligen Hindenburgdamm (heute Dr.-Rörig-Damm) in Richtung Marienloh unterwegs war. Der Stahlüberbau wurde 1910 von der Firma Dortmunder Brückenbau Caspar Heinrich Jucho gebaut, die unter anderem auch 1952 die Dortmunder Westfalenhalle wieder mit aufbaute. Die alte Brücke rostete in den letzten Jahren sehr stark. Insbesondere die Geländer und Konsolträger waren arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Tragfähigkeit der Brücke war stark eingeschränkt, sollte sie doch lediglich Pferdefuhrwerke und Straßenbahnen sowie maximal eine 23 Tonnen schwere Dampfwalze aushalten. Sie entsprach also keinesfalls mehr heutigen Anforderungen. Aufgrund der eingeschränkten Tragfähigkeit war sie in den letzten Jahren auch nur noch einspurig befahrbar. In Folge einer Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes ging die Brücke 1994 in das Eigentum der Stadt Paderborn über. Seit dem musste das Bauwerk von der Stadt unterhalten werden. Die große Bedeutung der Brücke für die Verbindung zwischen der Stadtheide und dem Zentrum und der äußerst bedenkliche Zustand führten letztlich zur Entscheidung, eine neue Brücke zu bauen. Am 21. Juni des letzten Jahres war mit dem Bau begonnen worden. Nach 13 Monaten steht die neue Brücke jetzt den Verkehrsteilnehmern zur Verfügung.