27. März war der Untergang
Paderborn gedachte der Kriegstoten
"Dieser 27. März 1945, dessen Wiederkehr wir heute begehen, war der Untergang der alten Kaiser- und Bischofsstadt." Mit diesen Worten beschrieb Bürgermeister Heinz Paus das Inferno, das damals von 17.30 Uhr bis 18 Uhr 270 britische Kampfbomber in der Domstadt anrichteten. Gemeinsam mit dem Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker legte das Stadtoberhaupt am Sonntagnachmittag einen Kranz am Mahnmal Busdorfwall nieder. Es sei das Totesdatum von über 350 Menschen, meist wehrlosen Zivilisten gewesen, so Paus. Als jüngstes Opfer habe man einen 19 Tage alten Säugling, als ältestes Opfer einen 100jähriger Greis beklagen müssen. Vor fast 200 Menschen erinnerte Paus daran, dass der Bombenkrieg mehr als 900 Opfer in Paderborn gefordert habe. "Ihr Tod mahnt uns zu Frieden und Versöhnung." Der Bürgermeister forderte, das Wissen um diese Zeit in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger fest zu verankern. "So etwas darf es nie wieder geben, haltet Frieden, verteidigt Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte und Freiheit", appellierte Bürgermeister Heinz Paus. Mit einem ökumenischen Wortgottesdienst im Hohen Dom gedachten im Anschluss an die Kranzniederlegung die Paderbornerinnen und Paderborner dieser schrecklichen Ereignisse. Auf Hintergründe des Bombenkriegs ging der durch sein Buch "Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1949-1945" bekannt gewordene Publizist Jörg Friedrich am Sonntagabend im Audimax der Theologischen Fakultät in der Liboristraße ein. Allein von Februar 1945 bis zum Ende des Krieges seien 830.000 Opfer in der deutschen Zivilbevölkerung durch den Bombenkrieg zu beklagen gewesen. Dieser habe sich von chirurgischen Schlägen zu Beginn hin zu Massenschlägen gegen die Zivilbevölkerung entwickelt. Friedrich ging der Frage nach, warum der Bombenkrieg gerade im März 1945 seinen Höhepunkt erlebt habe. Er sei eine Art Abschreckung für die Anstiftung künftiger Kriege gewesen, eine Umerziehung durch Massaker. In ergreifenden Worten schilderte der 82jährige ehemalige Bombennavigator Harold Nash seine Erlebnisse und Erfahrungen während des Krieges. Er sei ein richtiger Angsthase gewesen, habe am ganzen Leib gezittert und stets das Ende des Einsatzes mit der viermotorigen Halifax herbei gesehnt, so Nash. "Ich weiß nicht, wie viele Menschen meine Bomben getötet haben, ich weiß jedoch, dass sie keine Probleme gelöst haben", sagte der Engländer sichtlich betroffen. Nachdem er abgeschossen worden war, sei ihm als Gefangener von deutschen Frauen Brot angeboten worden. von jenen Frauen also, die er nur kurze Zeit vorher bombardiert hatte. Dieses Erlebnis habe er nie vergessen. Es sei eine Schlüsselszene in seinem Leben gewesen, die ihn zu einem Pazifisten gemacht habe.