Auch Rathausnachbarn ziehen positive Bilanz des Frühlingsfestes
Paus diskutiert mit Betroffenen über Open-Air-Veranstaltung
„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Unter dieses Motto – von Wilhelm Busch in seinem Gedicht „Der Maulwurf“ vor 133 Jahren niedergeschrieben – hatte Bürgermeister Heinz Paus die Einladung an die Anwohner und Geschäfte des Rathausplatzes und der unmittelbaren Umgebung gestellt. Mehr als 50 von ihnen waren jetzt ins Historische Rathaus gekommen, um gemeinsam ein Fazit des Frühlingsfestes 2005 zu ziehen und sich über künftige Veranstaltungen auf dem Rathausplatz zu unterhalten. Dabei stellte sich heraus, dass alle Betroffenen die für das letzte Frühlingsfest getroffenen neuen Maßnahmen positiv fanden und diese auf jeden Fall für künftige Veranstaltungen übernommen werden sollen. Gerade im Sommer ist die Diskrepanz zwischen Menschen, die unter freiem Himmel Musik hören und feiern wollen, und Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Veranstaltungsorte leben und Ruhe nötig haben, besonders groß. Bürgermeister Heinz Paus: „Wir möchten beiden Seiten gerecht werden. Großveranstaltungen wie Libori und das Frühlingsfest sind wichtig für unsere Stadt, dürfen aber nicht Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen schädigen.“ Deshalb hatte die Stadt Paderborn für das Frühlingsfest mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Schallemissionen möglichst gering zu halten. Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski: „Wir haben das Frühlingsfest 2005 als Test genutzt. Gemeinsam mit dem Veranstalter, der Werbegemeinschaft Paderborn, haben wir Auflagen erheblich verschärft und eine neue Technik eingesetzt.“ Beobachtet und begleitet wurde das Frühlingsfest von der Ingenieurgesellschaft Giese & Oehlerking, einer Gesellschaft für Akustik, Messungen und Technische Planungen, die amtlich bekannt gegebene Messstelle nach § 26 Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) und spezialisiert auf Schallimmisions- und Schallemissionsmessungen ist. Geschäftsführer Michael Oehlerking stellte seine Messergebnisse und Beobachtungen persönlich im Rathaus den Anliegern vor. Er machte deutlich, dass die gesetzlichen Richtwerte den Regelwerken für Gewerbelärm entnommen sind und bei strenger Anwendung dazu führen, dass Veranstaltungen im innerstädtischen Bereich kaum durchführbar sind. Michael Oehlerking: „Jeder Veranstalter muss gesundheitliche Gefährdungen ausschließen und Belästigungen auf ein Minimum reduzieren.“ Dass dieses mit einer neuen Technik möglich ist, beweisen seine Messergebnisse. So sind im Vergleich zu den Vorjahren die Dezibel-Werte drastisch gesunken und der Kreis der vom Lärm betroffenen erheblich eingeschränkt worden. Die neuen, bananenförmig gebogenen Lautsprecher schicken die Töne nur in einen beschränkten Bereich und verhindern auch eine Beschallung in die Höhe. Eine Anwohnerin des Rathausplatzes: „Ich wohne in der ersten Etage und habe in diesem Jahr keinen Lärm mitbekommen.“ Alle in das Rathaus Gekommenen lobten die erzielten Ergebnisse und forderten die Stadt auf, bei allen Veranstaltungen nur noch diese neue Technik einzusetzen. Zudem solle die Zahl der Veranstaltungen auf höchstens zehn pro Jahr festgelegt werden, Veranstaltungsschluss müsse spätestens um 23 Uhr sein. Während der Lärm in diesem Jahr offensichtlich keine große Rolle spielte, gab es Klagen über Missstände im Umfeld. Schwerpunkte waren das Urinieren in Hauseingängen und das Zerschmeißen mitgebrachter Flaschen, die für eine gefährlichen Scherbenteppich gesorgt hatten. Bürgermeister Heinz Paus sicherte allen Anliegern zu, dass die Stadt alle Möglichkeiten nutzen werde, um Belästigungen so gering wie möglich zu halten. Der Verwaltungsvorstand wird sich in Kürze mit der Problematik befassen und die notwendigen Beschlüsse fassen. Heinz Paus: „Selbstverständlich werden wir auch darüber die Betroffenen informieren.“