Stadt Paderborn: 70 Prozent Kostensenkung durch Ausschreibung der Schülerbefö …
Stadt Paderborn: 70 Prozent Kostensenkung durch Ausschreibung der Schülerbeförderung
(von Wolfgang Walter, Beigeordneter der Stadt Paderborn, und Dr. Christian Mehlert, BPI-Consult GmbH)
In der Stadt Paderborn (141.000 Einwohner, ca. 20.000 SchülerInnen, davon etwa 5.500 SchülerInnen mit Fahrkostenerstattungsanspruch) ist die Schülerbeförderung weitgehend in den öffentlichen Linienverkehr integriert. Dennoch wurden einige Schul-, Sport- und Schwimmfahrten im Auftrag der städtischen Schulverwaltung als freigestellter Schülerverkehr von insgesamt sechs Verkehrsunternehmen erbracht. Bisher erfolgte die Vergabe dieser Verkehrsleistungen durch die Schulverwaltung gemäß dem Bedarf der Schulen. Im Jahre 2004 erhielt die Schulverwaltung von den politischen Entscheidungsträgern den Auftrag, die freigestellten Schülerverkehre auf Basis einer optimierten Umlaufplanung im Rahmen eines offenen Vergabeverfahrens europaweit auszuschreiben. Damit sollten zum Schuljahr 2005/2006 drei Ziele erreicht werden: § rechtskonforme Vergabe der Verkehrsleistungen, § Entlastung des Kommunalhaushaltes, § Reduzierung der Vertragspartner. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Paderborn die Firma BPI-Consult, Berlin, im März 2005 mit der Erstellung einer optimierten Umlaufplanung sowie der Vorbereitung und Begleitung eines Vergabeverfahrens beauftragt. Als Optimierungskriterien bei der Umlaufplanung galten Minimierung von Fahrzeug- und Personalbedarf, Standzeiten und Leerkilometern auf Basis der durchzuführenden Fahrten. Dabei waren sowohl Umsetzzeiten zwischen zwei Fahrten als auch tariflich vorgeschriebene Lenkzeit- und Pausenregelungen zu beachten. Die Bildung von mehreren Losen aus den Fahrzeugumläufen sollte auch klein- und mittelständischen Verkehrsunternehmen eine realistische Auftragschance eröffnen. Dabei wurde auf Ausgewogenheit bei Verkehrsleistung und Einsatztagen geachtet, um ein „Rosinenpicken“ zu unterbinden. Die Erstellung und Abstimmung aller erforderlichen Verdingungsunterlagen umfasste auch einen neuen Beförderungsvertrag mit einem Katalog von Vergütungsminderungen, falls die beauftragten Verkehrsleistungen nicht vertragsgemäß erbracht werden. Die Bekanntmachung erfolgte im EU-Amtsblatt und in Regionalzeitungen, ergänzt durch redaktionelle Berichterstattung. Damit war die Information des ortsansässigen Verkehrsgewerbes sichergestellt. Die Verdingungsunterlagen forderten insgesamt neun Unternehmen an. Zur Ausschreibung kam eine Gesamtverkehrsleistung von etwa 54.900 Kilometern pro Schuljahr, aufgeteilt in acht Lose, mit einer Laufzeit von vier Jahren. Die Angebote konnten für einzelne und/oder alle Lose unterbreitet werden. Insgesamt gingen vier Angebote ein. Mit der Submission wurden nach Überprüfung der formalen Kriterien die Angebote auf Basis der angebotenen Kilometerkostensätze pro Los und in Summe bewertet. Das Kriterium für die Auftragserteilungen war die geringste Gesamtkostensumme. Die Schul-, Schwimm- und Sportfahrten im Auftrag der Stadt Paderborn werden im Ergebnis der Neuvergabe seit dem 22.08.2005 nur noch von zwei Verkehrsunternehmen durchgeführt. Beide Unternehmen sind ortsansässig und waren auch bisher mit Schülerbeförderung in der Stadt Paderborn betraut. Dennoch haben sich die Aufwendungen durch die Ausschreibung insgesamt von 340.000 Euro auf 100.000 Euro pro Schuljahr reduziert, das sind mehr als 70 Prozent! (siehe Grafik - als Anlage beigefügt). Im Ergebnis konnten alle drei gesetzten Ziele mit der europaweiten Ausschreibung erfüllt werden. Da nach acht Wochen Praxiserfahrung keine nennenswerten Störungen aufgetreten sind, wird das Projekt durch die ziel-, sach- und termingerechte Bearbeitung durch Stadt und Gutachter als erfolgreich bewertet. Die erheblichen Einsparungen, die die Stadt Paderborn mit dieser Ausschreibung erzielt hat, lassen sich damit erklären, dass bestehende Potenziale der effizienteren Leistungserstellung, die insbesondere auf eine rechnergestützte, unternehmensneutrale Fahrzeugumlaufplanung zurückzuführen ist, durch die Verkehrsunternehmen bisher nicht genutzt wurden – und auch für die Stadt erst mit der Durchführung dieser Ausschreibung offenkundig geworden sind. Im Ausschreibungsergebnis spiegelt sich auch die gegenwärtige konjunkturelle Lage wider. Obwohl nur vier Angebote eingingen, war eine enorme Spanne zwischen den angebotenen Preisen zu konstatieren. Der teuerste Anbieter lag um knapp zehn Prozent über den bisherigen jährlichen Aufwendungen.