Sowjetische Photographie der 1920er und 1930er Jahre
In der Städtischen Galerie am Abdinghof
Sowjetische Photographie der 1920er und 1930er Jahre aus der Sammlung Alex Lachmann zeigt die Städtische Galerie am Abdinghof bis 27. November. Die Ausstellung im Rahmen der Reihe „Blickpunkt Russland“ präsentiert mit über 60 Photographien der 20er und 30er Jahre photographische Tendenzen aus der Sowjetunion vom Konstruktivismus bis zum Sozialistischen Realismus, ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen der künstlerischen Photographie und der Photoreportage. Nach der Oktoberrevolution hat die sowjetische Kunst einen beispiellosen Aufschwung erfahren. Für die Künstler bricht eine neue Epoche an. Sie stellen ihre Arbeit enthusiastisch in den Dienst der politischen Revolutionäre, engagieren sich aktiv beim Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft im jungen Sowjetstaat. Die neuen Themen des industriellen Zeitalters und seiner Metropolen erfordern eine neue Form der Darstellung. Das Medium der Photographie scheint hierfür besonders geeignet. „Es sieht so aus, als könne nur der Photoapparat das neue moderne Leben abbilden“, so Alexander Rodtschenko, „die moderne Stadt mit ihren vielgeschossigen Häusern, die Werksanlagen, Fabriken, Leuchtreklamen, Ozeandampfer, Flugzeuge“. In Russland gilt der Künstler neben El Lissitzky und Boris Ignatowitsch als der Wegbereiter des photographischen Konstruktivismus. Der Konstruktivismus ist inhaltlich die radikalste Avantgardebewegung der 20er Jahre. Die Photographen entwickeln neue Sichtweisen, experimentieren mit spektakulären Perspektiven, Linien und Bildausschnitten und benutzen die photoeigenen technischen und visuellen Möglichkeiten um neue künstlerische „Bilder“ zu schaffen. In den 30er Jahren jedoch, seit der Proklamation des Sozialistischen Realismus als einzige verbindliche Kunstform, wird der große schöpferische Reichtum der sowjetischen Avantgarde in eine neue Richtung gelenkt. Stalin nutzt das für die Massen besonders wirkungsvolle Medium und die Kreativität der Künstler zu propagandistischen Zwecken. Die Photographen werden dabei zunehmend in die politische Berichterstattung gedrängt, die sowohl auf eine positive Darstellung der Sowjetunion nach Innen als auch nach Außen zielt. Unter der staatlichen Direktive entsteht ein phantastisch-irreales Blendwerk der Sowjetunion aus visionären Lichtkathedralen, Massenveranstaltungen und Siegerdenkmälern. Die Städtische Galerie am Abdinghof ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.