Paderborner Portale

Tag des offenen Denkmals am 11. September

Der Tag des offenen Denkmals macht es möglich. Am 11. September öffnet sich mit der Marienkapelle im Dom auch ein ansonsten nicht zugänglicher Raum. Auch der Kreuzgangflügel des Domes ist in diesem Rahmen zu besichtigen. Dr. Friedrich Gerhard Hohmann und Theodor Fockele bieten um 12.30 und 15 Uhr Führungen an. Treffpunkt ist das Paradiesportal des Domes. Außerdem werden bei Rundgängen unter Leitung von Klaus Zacharias die vom Hof- und Landbaumeister Franz Christoph Nagel entworfenen Portale in Paderborn erläutert. Um 11 und um 17 Uhr beginnen sie auf dem Schulhof des Gymnasiums Theodorianum am Kamp . Unter dem Motto "Zerstört - aber nicht vergessen" wird Stadtbaurat a.D. Wolf Köster um 11 und 15 Uhr im Vortragsraum des Altenheims Westphalenhof, Giersstraße 1, in Lichtbildervorträgen über die Auswirkungen des Krieges in Paderborn berichten. Die Marienkapelle bestand schon 1215 am Vorgängerbau des heutigen Domes; 19 Meter lang mit drei romanischen Fenstern an der Südseite, das gotische im Osten später eingebaut. Das Epitaph des 1643 verstorbenen Weihbischofs Joh. Pelcking, ursprünglich an der Ostwand befindet sich heute an der Nordwand des Atriums (Pelikan im Wappen). Im 30jährigen Krieg kam es zu Zerstörungen an der Marienkapelle; Barockisierung; 1652 Einzug der Wand; Vergrößerung von zwei Fenstern; Portal von Franziskanerbruder Gerhard Mahler; Stuckornamente am Gewölbe, an den Wänden und in der Portallaibung von Ludwig Willemsen, die Tür von Anton Willemsen (Brüder aus Antwerpen). Domdechant Kaspar Philipp von Ketteler stiftet 1666 den Barockaltar. Dieser wurde 1786 an die Kirche in Oeynhausen geschenkt; Dompropst Johannes Wilhelm von Weichs (gest. 1785) vermacht testamentarisch seinen Hausaltar der Kapelle im Stil des Rokoko. Durch den Abbruch des gotischen Lettners vor dem Chor kam der Kreuzaltar Heinrich Gröningers an die Ostwand des „Pfarrwinkels“ (heute Obergeschoss des Altars an der Südwand des Pfarrwinkels). Nach 1810 (Säkularisation – Auflösung des Domkapitels) verfiel die Kapelle. Erst 1915 unter Bischof Karl Josef Schulte (1910 – 1920), verstorben als Erzbischof von Köln im Jahr 1941, erfolgte die Renovierung. Der aus romanischer Zeit überkommene Kreuzgang des Paderborner Doms erhielt im 14. Jahrhundert einfache gratige Gewölbe. Einige mit Tier- und Laubornamenten versehene Konsolen davon sind noch im Nordflügel zu sehen. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Kreuzgang, der bis dahin zum Binnenhof offene Arkaden hatte, mit Maßwerkfenstern ausgestattet. Bekannt wurde das Dreihasenfenster des Nordflügels. Der Kreuzgang diente als Grablege der Domherren, während die Bischöfe auf dem Chor des Domes, die Dompröpste im südlichen Ostquerhaus, dem sog. Pfarrwinkel, die Domdechanten im Atrium und der niedere Domklerus im Binnenhof des Kreuzganges bestattet wurden. Am Westflügel des Kreuzganges, in den Binnenhof hinein, errichtete die Familie von Westphalen im Jahre 1386 eine Grablege nicht nur für die aus ihr hervorgegangenen Mitglieder des Domkapitels. Bedeutende Bildhauer haben seit dem 18. Jahrhundert Grabmäler für den Dom und den Kreuzgang geschaffen, so Heinrich Brabender aus Münster (nachweisbar 1491 – 1537), der 1612 als Dombildhauer angestellte Heinrich Gröninger (um 1578 – 1631), Heinrich (um 1645 – 1719) und Christophel (1678 – 1735) Papen aus Giershagen bei Marsberg und der aus Geseke stammende, in Paderborn tätige Philipp Georg Brüll (um 1648 – 1706). Der Hof- und Landbaumeister Franz Christoph Nagel (1699 – 1764) war unter Fürstbischof Clemens August von Bayern (1719 – 1761) für alle Baumaßnahmen im Hochstift zuständig. Neben einfachen Gebäuden entwarf er auch Prunkbauten. Selbst grafische Arbeiten hatte er zu erledigen, so 1733 einen neuen Wappenkalender. Nagels Vorliebe gehörte der französischen und römischen Architektur. Spuren seiner Arbeit kann man bis heute in Paderborn und Umgebung finden. So baute er den Marstall des Neuhäuser Schlosses und gestaltete dessen Gartenanlagen. Auch die Vorhalle der Gaukirche ist sein Werk. Besonders ins Auge aber fallen seine Portale, von denen eine ganze Reihe in Paderborn erhalten sind. Dazu gehören unter anderem die Portale des Gaukirchklosters, das Gefängnisportal, das Portal des Westphalenhofes und das Portal des Heisingschen Hauses am Marienplatz. Unter dem für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vorgegebenen Leitthema „Krieg und Frieden“ wird Stadtbaurat a. D. Wolf Köster unter dem Motto „Zerstört – aber nicht vergessen“ an die Auswirkungen des Krieges in Paderborn erinnern. Unter Rückgriff auf Archivmaterial wird er kriegsbedingte Veränderungen im Stadtbild erläutern. Besonders den Nachkriegsgenerationen sollte der schmerzhafte Beginn des Wandels von einer eher verträumten Fachwerkstatt zu einer neuen lebendigen und alten Universitäts- und Domstadt bewusst werden. Am Donnerstag, 15. September, ergänzt Wolf Köster ab 19.30 Uhr das Thema in einem weiter gehenden Lichtbildvortrag in den Räumen der Volkshochschule.