Älteste profane Uhr
Im Neuhäuser Marstall
Ein technisches Meisterwerk ist jetzt im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall zu bewundern. Wegen der Sanierungsarbeiten im Franziskanerkloster in Paderborn wird eine der bedeutendsten Standuhren des 17. Jahrhunderts für ein Jahr im Marstall gezeigt. Es handelt sich um die erste profane astronomische Großuhr in Westfalen mit einem "ewigen Kalender" von Jacob Lang aus Münster. Das Uhrwerk ist ausgestattet mit drei Schlagwerken, Mondphase, Anzeige der vergangenen Neumondzeit und einem silbernen Hauptzifferblatt mit äußerem Minutenring. Die Uhr besitzt eine 24 Stundenanzeige, eine Sonnenstand- und Sternzeichenanzeige sowie eine Abstandanzeige der Sonne zur Erde. Der Stundenzeiger auf dem unteren kleineren Zifferblatt hat eine einstellbare Innenscheibe für einen Wecker, Wochentag- und Monatsanzeige. Das Besondere an dieser kostbaren Uhr ist, dass sie auch noch funktionsfähig ist. In nächster Zeit wird es Vorführungen im Marstall geben, die noch angekündigt werden. Dieser komplizierte Zeitmesser ist für die Region umso interessanter, da er einen hervorragenden Einblick in die Kultur- und Technikgeschichte der Barockzeit gibt. Aus dieser Zeit ist auch noch ein Sonnenuhrstein aus dem 18. Jahrhundert erhalten, der ebenfalls im Marstallmuseum ausgestellt ist. Die Standuhr von Jacob Lang aus Münster vermittelt einen Eindruck höchster internationaler Uhrmacherkunst an einem fürstbischöflichen Hof in Westfalen. Die Uhr entstand in Münster am Hof des Fürstbischofs Bernhard von Galen und zur Zeit der Regentschaft des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg (1661-1683). Nach den älteren Nachrichten zu urteilen, war Jacob Lang als Uhrmacher und Schlosser am Hof des Fürstbischofs Bernhard von Galen in Münster beschäftigt. Nach den spärlichen Unterlagen hat die Uhr den II. Weltkrieg im Franziskanerkloster in Münster überlebt, das vor einigen Jahren auch aufgegeben wurde, und gehört seit dem zum Inventar des Franziskanerklosters in Paderborn, das von Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg gestiftet wurde. Die wertvolle Uhr hat schon eine aufregende Geschichte hinter sich: als vor etlichen Jahren ein Dieb die Uhr in Münster stehlen wollte, schreckte die Weckerglocke die Eigentümer aus dem Schlaf, gerade als der Dieb die Uhr über eine Einfriedung heben wollte. Erschreckt ließ er sie fallen. Die erlittene Beschädigung ließ sich aber beheben.