Pfeife und Krug aus der Husarenzeit

Dank an den Förderkreis des Historischen Museums im Marstall

Auch in diesem Jahr hat der Förderkreis neben den bisher sehr beträchtlichen Förderungen von Ausstellungen und Erwerb von wertvollen Barockgläsern in zwei beispielhaften Aktionen die Sammlungen des Historischen Museum erweitert: Der Förderkreis erwarb auf einer Auktion einen Reservistenkrug der 8. Husaren von Paderborn-Neuhaus von 1911 und eine etwa 120 Zentimeter lange mehrteilige Reservistenpfeife des 8. Husaren Kramer, der in der 2. Escadron (Kavallerieeinheit) des Husarenregiment Kaiser Nikolaus von Russland, 1. Westfälisches Nr. 8 Paderborn 1901 – 1904 diente. Krug und Pfeife ergänzen hervorragende die militärgeschichtliche Sammlung des Museums in Paderborn – Schloß Neuhaus und geben weitere Aufschlüsse auf die längst vergangene Husarenzeit, die Paderborn und Neuhaus von 1856 bis 1918 geprägt hat. In der „Kaiserzeit“ mussten die Wehrpflichtigen drei Jahre „dienen“, wie beispielsweise der Reservist Kramer von 1901 bis 1904, von dem die mehrteilige Pfeife stammt. Sie weist auch noch einen Pferdekopf und das Porträt des Ehrenobristen Zar Nikolaus von Russland auf, der bis 1917 Chef der 8. Husaren in Paderborn und Neuhaus war. In Erinnerung an ihre langjährige Dienstzeit erwarben damals Reservisten, die es sich leisten konnten, Erinnerungsstücke an ihre Dienstzeit, wie Reservistenpfeife und Krüge, die oftmals mit Miniaturmalereien auf den Porzellanköpfen versehen waren, den Standort zeigten, die Namen ihrer Kameraden verewigten und Dienstzeit und militärische Einheit verewigten. Auf der neu erworbenen Pfeife befinden sich folgende Namen von Soldaten, wovon viele aus Paderborn oder aus der unmittelbaren ländlichen Nachbarschaft in Neuhaus dienten. Die Namen sind von oben nach unten wie folgt angeordnet: Pistor, Preuß, Peters, Sauer, Sauerteich, Stratmann, Stein, Teinke, Ullmer, Wagner I, Wagner II, Gaußelmann, Kleiner, Zeppenfeld, Knopp, Minke, Engemann, Gockel, Günnemann, Happeck, Häring, Hoffmann, Hubaleck, Von der Heide, Hinzinger, Karste, Kramer, Krabbe, Leinemann, Lunke, Menthler, Schröder, Wasmuth, Gerold, Niemeier, Hoff, Collmeier, Mäkel, Ridder, Uekermann, Kornfeld, Teise, Giese, Stapler. Außerdem befinden sich auf dem bemalten Porzellankopf amüsante und burschikose Beschriftungen mit Anspielungen auf die abgeschlossene Dienst- und bevorstehende Freizeit als Reservist, so z.B. Sprüche auf der Vorderseite "Hoch lebe der Reservemann" darunter der Reservist auf einem Bierfass sitzend mit dem Wahlspruch "Parole Heimat", darunter wiederum ein sitzender Reservist mit Wirtin und drei stehenden Reservisten mit Entlassungsschein und Bierseidel und der Zeile "Zum letzten Mal". Darunter mit erhobenen Armen mit Namenszug des Reservisten Kramer. Auch findet sich der Name des Porzellanmalers G. Emmrich, Münster. Aber auch martialische Reservistensprüche wie "Sieg oder Tod", "Wenn Husaren attackieren, muss der stärkste Feind verlieren" etc. machen deutlich, dass die damaligen Reservisten auf den Krieg vorbereitet wurden. Mit dem I. Weltkrieg von 1914 -1918 wurde für die in Paderborn und Neuhaus stationierten 8. Husaren und einberufenen Reservisten das tragische Realität. Zahlreiche Aktive und einberufene Reservisten verloren ihr Leben. Das Andenken der Gefallenen ist leider daher oftmals nur durch solche und ähnliche Erinnerungsstücke dokumentiert. Sie sind zeitgeschichtliche Zeugnisse, die im Marstall ausgestellt sind, an dem Ort wo einst die 8. Husaren vor über 100 Jahren ihre militärische Dienstzeit und einen beträchtlichen Teil ihrs oftmals kurzen Lebens verbrachten.