Landrat und Bürgermeister zu Besuch bei Muslimen
"Zeichen für Toleranz und friedliches Miteinander"
„Wir wollen unsere Solidarität zeigen und ein Zeichen gegen Gewalt und Misstrauen, ein Zeichen für Toleranz und ein friedliches Miteinander setzen.“ Das erklärten Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Heinz Paus bei ihrem gemeinsamen Besuch bei Vertretern muslimischer Vereine in Paderborn. Bewusst war als Ort der Begegnung der Orientalische Buchhandel, ein europaweit tätiges Paderborner Unternehmen, ausgewählt worden. Auf diese Räume war einen Tag nach einer von islamischen Gruppierungen organisierten Kundgebung in Paderborn ein Brandanschlag verübt worden. Bei dem Gespräch sprachen die muslimischen Vertreter ihre Sorge über eine zunehmend ablehnende Stimmung in der Mehrheitsbevölkerung gegenüber Muslimen aus. Sie kritisierten undifferenzierten Stellungnahmen von Politikern und Medienvertretern, die zu einem von Mistrauen geprägten Klima in Deutschland beitrügen. Nur negatives würde berichtet, positive Entwicklungen ausgeblendet. Die muslimischen Gesprächspartner betonten das jahrzehntelange friedvolle Zusammenleben von Muslimen in dieser Gesellschaft, sahen aber auch Grund zur Selbstkritik. Yasin Sönmez, Initiator des Treffens: „Zwar gibt es viele Defizite in der Integration, was vor allem auf eine lange Zeit fehlende Integrationspolitik zurückzuführen ist. Aber Muslime haben auch zu lange auf gepackten Koffern gesessen und ihre Zugehörigkeit zur hiesigen Gesellschaft nicht wahrgenommen.“ Dies habe sich aber in den letzten Jahren geändert. Auch in Paderborn seien die Muslime bereit ihre Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft zu tragen. Yasin Sönmez: „Wir wollen endlich in der Gesellschaft ankommen, in der wir leben. Doch für einen gelungenen Integrationsprozess gehören auch offene Arme der Mehrheitsgesellschaft.“ Die Weltpolitischen Entwicklungen und die zunehmend aggressive Berichterstattung über hier friedlich lebende Muslime führe in letzter Zeit zu zunehmender Ausgrenzung. Atta Abu-Ammounah, Betreiber des Orientalischen Buchhandels: „Wir Muslime fühlen uns zunehmend an den Rand der Gesellschaft gedrängt.“ Trotz aller bedenklichen Entwicklungen wollen die muslimischen Vereine den Weg des Dialoges und der Integration weitergehen. Yasin Sönmez: "Unsere Moscheen sind heute ein Ort der Begegnung von Muslimen mit Menschen anderer Religion. Viele Vereine und Gruppen, insbesondere Schulklassen nehmen unser Angebot an, die Moscheen zu besuchen und mit Muslimen ins Gespräch zu kommen." Für Landrat Manfred Müller ist dieser Weg richtungsweisend. Er fordert die muslimischen Vereine auf, diesen Dialog noch zu verstärken. Bürgermeister Heinz Paus appellierte an die muslimischen Vereine, durch Angebote an die eigene Mitgliedschaft bei der Integration der Muslime in die hiesige Gesellschaft mit zu wirken. Landrat und Bürgermeister würdigten die Bemühungen der muslimischen Vereine um Dialog mit der Mehrheitsgesellschaft und boten ihre Unterstützung für Projekte der muslimischen Vereine an. Konkret wurde angeregt, spezielle Seminare für Lehrer und Polizeibeamten in den Paderborner Moscheen anzubieten, damit diese die Gelegenheit bekommen, einen Einblick in das Gemeindeleben der hiesigen Muslime zu erhalten.