Wichtig, sich zu erinnern

Nachkommen ehemaliger jüdischer Mitbürger besuchten Paderborn

"Es ist wichtig, sich zu erinnern". Mit diesen Worten unterstrich Bürgermeister Heinz Paus die Bedeutung des Dialogs mit den Nachkommen ehemaliger jüdischer Mitbürger. Er dankte in diesem Zusammenhang Katharina Meermeier, Günter Bitterberg und Bernhard Krewet von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft in Paderborn, die die Familie Philipps aus dem Kibbuz Maayan Zwi in Palästina eingeladen hatte. Die Christlich-Jüdische Gesellschaft und die Stadt Paderborn setzten damit eine gute Tradition fort. Durch solche Treffen soll der Kontakt zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern und deren Angehörigen aufrechterhalten werden. Uri Philipps, Ilana Philipps und Doron Phillips sind die Kinder von Heinz (Gidon) Phillips. In ihrem Buch "Von ihren Leuten wohnt hier keiner mehr" hat die Paderborner Historikerin Margit Naarmann das Schicksal auch dieser jüdischen Familie beschrieben. Der am 21. Mai 1917 in Paderborn geborene Heinz Phillips wohnte mit seinen Eltern an der Bahnhofstraße 12. Gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Walter und Hans besuchte er das Theodorianum, das er mit der Mittleren Reife abschloss. In der Mark Brandenburg erhielt er eine landwirtschaftliche Ausbildung, die ihn nach zwei Jahren, Ende Juli 1936 zur Einwanderung nach Palästina befähigte. Dort war er einer der Mitbegründer des Kibbuz Maayan Zwi. Die Eltern von Heinz Phillips sowie Sohn Walter konnten vor den Nazis nicht mehr fliehen. Ihre Emigrationsbemühungen nach der Progromnacht waren zu spät. Walter wurde in der Progromnacht verhaftet und bis Januar 1939 im Konzentrationslager Buchenwald festgehalten. Dort erlitt er schwere gesundheitliche Schäden, zog später in die Anonymität der Großstadt Berlin. Von dort aus wurde er ins Vernichtungslager nach Auschwitz gebracht und unmittelbar nach seiner Ankunft umgebracht. Die Eltern von Gidon Phillips wurden 1942 erst nach Theresienstadt und später in eines der Vernichtungslager im Osten deportiert. Sie gelten als "verschollen". Im Gespräch mit Bürgermeister Heinz Paus brachten die Gäste ihre Sorge um die Entwicklung im Nahen Osten zum Ausdruck. Uri Phillipps: "Viele sehen heute nur die Resultate des Konfliktes und vergessen die eigentlichen Ursachen". Bürgermeister Heinz Paus schilderte Kriegserlebnisse aus seiner Kindheit, die ihm sehr nah gegangen seien. Er berichtete über die Initiative der Stadt Paderborn, bei Besuchen in der Ukraine und in Polen auf ehemalige Zwangsarbeiter, die in Paderborn während des 2. Weltkrieges arbeiten mussten, zuzugehen und damit einen Schritt zur Aussöhnung zu machen.