Ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum

Tatort Paderborn - Irdische Macht und Himmlische Mächte

„Tatort Paderborn - Irdische Macht und Himmlische Mächte“, das ist kein neuer Krimi, sondern der Titel eines Kunstprojektes. Die Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung Ingrid Raschke-Stuwe, Vorstand der Elisabeth Montag Stiftung (Dresden/Bonn), stellte jetzt vor dem Kulturausschuss im Historischen Rathaus der Stadt Paderborn erstmals das Detailkonzept vor und gab die Künstlerliste bekannt. Mit dem Kunstprojekt „Tatort Paderborn“ werden zeitgenössische bildende Künstler von hohem Rang die Paderborner Innenstadt nach verborgenen und offenkundigen Indizien geistlicher und weltlicher Autorität untersuchen. „Die Komplexität des Standortes Paderborn mit seiner vielfachen historischen Aufladung und der gleichzeitigen Hinwendung in das 21. Jahrhundert lässt die Stadt zu einem Kristallisationspunkt werden zwischen Tradition und Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, wobei Kirche und Staat, Religion und Politik fast immer in einem Spannungsverhältnis zueinander standen: mal kooperierte man miteinander, mal stand man in einem Konkurrenzverhältnis,“ erklärt Ingrid Raschke-Stuwe den Projekttitel. Die aktuelle kulturhistorische Ausstellung „Canossa – Erschütterung der Welt“ berührt die wechselvolle Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romantik und thematisiert damit ein vergleichbares Grundthema, welches bei dem für 2007 geplanten Projekt aufgenommen wird. Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler spielte neben der künstlerischen Reputation insbesondere die Verschiedenheit der Methoden und Arbeitsweisen eine entscheidende Rolle. Um die Bezüge profaner und sakraler Macht in ihren ambivalenten sinnlichen Ausprägungen präsent werden zu lassen, wurden 13 Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die in ganz unterschiedlicher Weise mit dem Medium Licht- , Klang- und Videoinstallationen, mit Performance, Intervention, Installation, Malerei und Zeichnung umgehen. Eine wichtige kommunikative Funktion übernehmen partizipative Kunstprojekte, die die Paderborner Öffentlichkeit in den künstlerischen Arbeitsprozess einbeziehen. Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler: Dagmar Demming (1951, D) – Audio-visuelle Installationen Horst Gläsker (1949, D) – Malerei im öffentlichen Raum Yvonne Goulbier (1953, D) – Lichtinstallationen Ottmar Hörl (1950, D) - Installationen, Objekte Shirazeh Houshiary (1955, Iran) – Skulpturale Klanginstallationen Henrik Plenge Jakobsen (1967, Dänemark) – Installationen, Objekte Eva Maria Joeressen (1956, D) – Lichtinstallationen, Projektionen, Installationen Tadashi Kawamata (1953, Japan) – Raum- und ortsbezogene Projekte Joep van Lieshout (1963, NL) – Objekte, Installationen Johan Lorbeer (1950, D) – Still-Life Performances Tatzu Nishi (1960, Japan) – Installationen, Konstruktionen Robert Scheipner (1966, D) – Videoinstallationen, bewegliche Konstruktionen Matthias Beckmann (1965, D) - Zeichnung Das Projekt „Tatort Paderborn“ findet zeitgleich mit den beiden Kunstgroßereignissen „documenta“ in Kassel und „skulptur projekte münster 07“ statt. Auf der Achse Kassel – Münster besteht für ein kunstinteressiertes Publikum die Möglichkeit, in Paderborn Halt zu machen, um zusätzlich zu den beiden Großveranstaltungen, bei denen es um herausragende Positionen der Gegenwartskunst (Kassel) bzw. um Kunst im urbanen Raum (Münster) geht, sich auf eine konzentrierte thematische Ausstellung mit Künstlern von internationalem Rang einzulassen, die sich an einem unverwechselbaren Ort mit einem Thema von existenzieller Tragweite auseinandergesetzt haben. Das Ausstellungsprojekt „Tatort Paderborn“ wird Mitte Mai 2007 eröffnet und bis in den September hinein in der Innenstadt von Paderborn zu sehen sein. In denselben Zeitraum fallen die beiden großen Stadtfeste „Libori“ und der „NRW –Tag“, der 2007 von Paderborn ausgerichtet wird. Damit werden mehr als zwei Millionen Besucher die Gelegenheit haben, die Ausstellung im Innenstadtbereich zu erleben.