Stasi in Wort und Bild
Marianne Birthler eröffnet Ausstellung in Paderborn
Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, und der Bürgermeister der Stadt Paderborn, Heinz Paus, eröffnen am Freitag, 8. Dezember, um 19 Uhr die Ausstellung „Staatssicherheit - Garant der SED-Diktatur“ im Audienzsaal des Neuhäuser Schlosses. Die Ausstellung im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall ist bis zum 21. Januar dienstag bis sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nirgendwo im Ostblock war das geheimpolizeiliche Spitzelnetz dichter als in der DDR. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hatte bis zum Ende der DDR seinen Apparat stärker ausgebaut als die Geheimdienste anderer kommunistischer Staaten. Die Geheimpolizei des Erich Mielke war eine der wichtigsten Stützen der Einparteiendiktatur der SED. Sie richtete sich in erster Linie gegen die eigene Bevölkerung, der die kommunistische Partei und Regierung stets misstraute. Das schematische Freund-Feind-Denken des MfS ging jedoch über die Grenzen der DDR hinaus und beherrschte auch die Arbeit der im Westen operierenden Auslandsabteilung, der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A). Die Ausstellung der Bundesbeauftragten dokumentiert die Entstehung, die Aufgaben und die Arbeitsmethoden des MfS auf Tafeln und mit Exponaten. Zu den Ausstellungsobjekten zählt zum Beispiel eine Gießkanne mit versteckter Mini-Kamera im doppelten Boden. Oder auch so genannte Geruchskonserven, sterile Staubtücher, mit denen Geruchsspuren verdächtiger Personen aufgenommen und in luftdicht verschlossenen Weckgläsern gesichert werden konnten. Auf diese Weise speicherte das MfS den Körpergeruch von politisch missliebigen Menschen, die von speziell ausgebildeten Hunden aufgespürt werden konnten. Anhand ausgewählter Daten und Ereignisse der DDR-Geschichte wird exemplarisch erläutert, wie das MfS vorging, um die Vormacht der SED zu sichern, und wie es auf innen- und außenpolitische Entwicklungen reagierte. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war ein Trauma für das MfS, das Umstrukturierungen und Führungswechsel nach sich zog. Mit dem Mauerbau am 13. August 1961 sollte die Massenfluchtbewegung aus der DDR gestoppt werden. Angehörige des Staatssicherheitsdienstes waren am Bau der Grenzanlagen beteiligt und hatten die Grenze zu kontrollieren. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des „Prager Frühlings“ im August 1968 wurden Sympathisanten der tschechoslowakischen Reformbewegung in der DDR verfolgt. Ein weiteres Ausstellungskapitel erinnert an den Untergang des Unterdrückungsapparates im Herbst 1989. Weltweit einmalig blockierten Bürgerinnen und Bürger in der DDR durch ihren friedlichen Protest den noch aktiven Geheimdienst, besetzten seine Dienstzentralen und sicherten seine Akten vor der Vernichtung. Die Stasi-Unterlagen-Behörde verdankt ihre Entstehung diesem Bürgermut. Die wichtigste Aufgabe der BStU - die Akten des MfS für die Aufarbeitung der Diktaturgeschichte zu öffnen - resultiert aus den Forderungen der DDR-Bürgerrechtsbewegung und des im März 1990 erstmals frei gewählten DDR-Parlaments. In einem eigenen Ausstellungsteil wird die Tätigkeit der BStU erläutert. Im Rahmen der Ausstellung können Anträge auf Einsicht in die eigenen Stasi-Akten gestellt werden. Zwei Mitarbeiter der BStU stehen interessierten Besucherinnen und Besuchern für Gespräche und Führungen durch die Ausstellung zur Verfügung. Termine für Führungen, insbesondere auch für Schülergruppen, können per Telefon: (05251) 88-1043 oder per Fax: (05251) 88-1041 vereinbart werden. Ein themenbezogener Vortrag wird am 13. Dezember ab 19 Uhr angeboten. Eberhard Stein spricht über das Thema "Der Gegner hat Kraft - die Entmachtung der Staatssicherheit". Weiterbildungsseminare für Lehrerinnen und Lehrer sind am 13. und 14. Dezember mit Dr. Hans-Peter Löhn geplant.