Paderborn setzte Zeichen

Stadt Paderborn hat Thema Zwangsarbeit umfangreich aufgearbeitet

Die Gesten hatten Symbolkraft. Frauen, die bei ihren Erzählungen weinten, Männer, die beim Händeschütteln feuchte Augen bekamen. So geschehen 2003 im ukrainischen Donezk und in Warschau. Ukrainische und polnische Zwangsarbeiter, die einer Einladung der Stadt Paderborn gefolgt waren, zeigten sich sichtlich gerührt und sehr interessiert, ihre Erinnerungen an die schwere Zeit vor 60 Jahren in Paderborn an Bürgermeister Heinz Paus weiterzugeben. Die beiden Treffen waren Meilensteine auf dem Weg der Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Paderborn. Mit dem Ende des vergangenen Jahres hat die Stadt Paderborn dieses Kapitel vorerst abgeschlossen. Viele Bürgerinnen und Bürgern der Stadt hatten es in den letzten Jahren immer wieder mit großer Aufmerksamkeit begleitet. Im Jahr 2000 hatte der Rat der Stadt mit überwältigender Mehrheit beschlossen, die Geschichte der Zwangsarbeiter aus Osteuropa aufzuarbeiten. In monatelanger Arbeit recherchierte die Historikerin Christa Mertens Daten und Fakten. Sie fand viele Namen von Menschen, die vor 60 Jahren gezwungen wurden, nach Paderborn zu kommen. Sie mussten hier in Fabriken, Krankenhäusern und auf Bauernhöfen arbeiten. Mertens schrieb die Überlebenden an und erhielt umfangreiche Antworten auf ihre Fragen. Im Jahr 2003 übernahm es Bürgermeister Heinz Paus, in Donezk/ Ukraine und Warschau/ Polen mit ehemaligen Zwangsarbeitern zusammen zu treffen und sich als offizieller Vertreter der Stadt Paderborn bei den Überlebenden für das erlittene Unrecht zu entschuldigen. Unterstützt wurde er bei dieser schwierigen Aufgabe von Christa Mertens und seinem persönlichen Referenten Ulrich Wibbeke. Dem Wunsch aller Mitglieder des Rates entsprechend wurde den Überlebenden bei diesen Treffen eine symbolische Entschädigungszahlung ausgezahlt. Die Begegnungen im Ausland wurden von der Presse im In- und Ausland mit großer Aufmerksamkeit begleitet. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wählte für ihre Berichterstattung damals die Überschrift „Paderborner Zeichen“, denn es war das erste Mal, dass ein deutsches Stadtoberhaupt die Begegnung mit den Überlebenden in deren Heimatland gesucht hatte. In den beiden vergangenen Jahren hat die Stadt Paderborn mehrfach die ehemaligen Zwangsarbeiter nach Paderborn eingeladen. Finanzielle Unterstützung erhielt sie dabei von der Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". Die Gäste aus Polen und der Ukraine haben ihre alten Arbeitsstätten besucht und das neue Paderborn kennen gelernt. Sie haben vor zahlreichen Schülern des Reismann-Gymnasiums, des Gymnasiums Schloß Neuhaus, des Theodorianums und der Abendrealschule aus ihrem Leben berichtet und sich den Fragen der Jugendlichen gestellt. Die Gesprächsabende mit den Überlebenden werden vielen in Erinnerung bleiben. So beispielsweise die beiden vom stellvertretenden Bürgermeister Josef Hackfort moderierten Abende im Liborianum, an denen sowohl ukrainische als auch polnische Zwangsarbeiter über ihre Erlebnisse sprachen. Dabei berichteten sie auch über die Schwierigkeiten nach der Rückkehr in ihre Heimat. Als "ganz bedeutende Momente seiner Amtszeit" bezeichnete Bürgermeister Heinz Paus die Begegnungen und die Gespräche mit den ehemaligen Zwangsarbeitern. Paus: "Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, den Überlebenden zu zeigen, dass die Bürger der Stadt Paderborn sie nicht vergessen haben und bereit waren, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Und es tat gut zu erfahren, dass fast alle ehemaligen Zwangsarbeiter auch viele gute Erinnerungen an die Zeit in Paderborn vor über 60 Jahren hatten, dass sie von vielen Zeichen der Hilfe berichten konnten". Diese lebensnahe und unmittelbare Aufarbeitung des so wichtigen Themas sei ein wertvoller Beitrag zur Verständigung unter den Völkern Europas“, so der Bürgermeister.