Drohend vertraute Welten: Franz Radziwills Werke in der Reithalle
Austellungseröffnung am Freitag, 2. Dezember
Das Werk Franz Radziwills gehört mit zu den faszinierendsten künstlerischen Äußerungen der deutschen Malerei des 20. Jahrhunderts. Es umfasst rund 850 Gemälde und mehr als 1800 Aquarelle und Farbzeichnungen, die in zwei Werkverzeichnissen dokumentiert sind. Dieses umfangreiche Werk entstand überwiegend in Dangast, einem kleinen Ort am Jadebusen und einstiger Geheimtipp der Brücke-Künstler. Hier erwarb Radziwill 1923 ein ehemaliges Fischerhaus, das er zur Atelier-Wohnung ausbaute und bis zu seinem Tode 1983 bewohnte. Die Ausstellung „Franz Radziwill – drohend vertraute Welten“ wird am Freitag, 1. Dezember um 19 Uhr eröffnet und ist in der Städtischen Galerie in der Reithalle im Neuhäuser Schlosspark bis 25. März 2007 zu sehen. Zur Eröffnung sprechen die Autorin, Regisseurin und Produzentin Konstanze Radziwill, Barbara Tigges-Mettenmeier vom Freundeskreis Städtische Galerien Paderborn und Dr. Andrea Wandschneider, Leiterin der Städtischen Galerie in der Reithalle. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Meisterwerke Radziwills aus seiner reifsten und fruchtbarsten Schaffensperiode von 1923 bis ca. 1950, mit einigen Ausblicken auf die expressiven Anfänge sowie auf die hochgradig symbolisch verschlüsselte Spätphase. Der Schwerpunkt liegt auf der Landschafts- und Stilllebenproduktion, die ein außergewöhnlich weit gefächertes Spektrum aufweist und eine zugleich (be-)zwingende Schlüssigkeit des künstlerischen Konzepts. Die vertrauten heimatlichen Topographien, die banalen Dinge des Alltags bilden den Stoff für immer neue, unvordenkliche Bildvisionen von zugleich einnehmendem wie verstörendem Charakter. Außerhalb seines norddeutschen Wirkungskreises ist Radziwills malerisches Schaffen noch kaum in jenem Maße bekannt, wie es ihm nach seinem künstlerischen Rang zusteht. Völlig gegenständlich orientiert, wurde sein Werk von der großen Welle der lange als einzig zeitrelevant und wichtig erachteten Abstraktion beiseite gedrängt. Hinzu kommt, dass es auch innerhalb der gegenständlichen Malerei der Moderne eine entschiedene Außenseiterposition einnimmt. Es handelt sich um ein Werk von extremer Eigenwilligkeit, das sich gegen die Einordnung in allgemeine Stilströmungen sperrt. Der Katalog entwickelt eine neue Sicht auf das Werk dieses norddeutschen Metaphysikers, der bislang zu Unrecht dem Lager der „Neuen Sachlichkeit“ und des „Magischen Realismus“ eingemeindet wurde.