Tatort Paderborn - Irdische Macht und Himmlische Mächte
Ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum
„Tatort Paderborn - Irdische Macht und Himmlische Mächte“, das ist keine neue Kriminalserie, sondern der Titel eines Kunstprojektes im öffentlichen Raum, das Mitte Mai 2007 in Paderborn eröffnet wird. Mit dem von der Kunststiftung NRW geförderten Ausstellungsprojekt werden zeitgenössische bildende Künstler von hohem Rang die Paderborner Innenstadt nach verborgenen und offenkundigen Indizien geistlicher und weltlicher Autorität untersuchen. Die Komplexität des Standortes Paderborn mit seiner vielfachen historischen Aufladung und der gleichzeitigen Hinwendung in das 21. Jahrhundert lässt die Stadt als einen Kristallisationspunkt erscheinen: Tradition und Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft – fast immer standen Kirche und Staat, Religion und Politik in einem Spannungsverhältnis zueinander: mal kooperierte man miteinander, mal stand man in einem Konkurrenzverhältnis. Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler spielte neben der künstlerischen Reputation insbesondere die Verschiedenheit der Methoden und Arbeitsweisen eine entscheidende Rolle. Um die Bezüge profaner und sakraler Macht in ihren ambivalenten Ausprägungen präsent werden zu lassen, wurden zwölf Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die in ganz unterschiedlicher Weise mit dem Medium Licht- , Klang- und Videoinstallation, mit Performance, Intervention, Installation, Malerei und Zeichnung umgehen. Eine wichtige kommunikative Funktion übernehmen partizipative Kunstprojekte, die die Paderborner Öffentlichkeit in den künstlerischen Arbeitsprozess einbeziehen sollen. Dagmar Demming (1951, D) – Audio-visuelle Installationen Horst Gläsker (1949, D) – Malerei im öffentlichen Raum Yvonne Goulbier (1953, D) – Lichtinstallationen Ottmar Hörl (1950, D) - Installationen, Objekte Henrik Plenge Jakobsen (1967, Dänemark) – Installationen, Objekte Eva Maria Joeressen (1956, D) – Lichtinstallationen, Projektionen, Installationen Tadashi Kawamata (1953, Japan) – Raum- und ortsbezogene Projekte Joep van Lieshout (1963, NL) – Objekte, Installationen Johan Lorbeer (1950, D) – Still-Life Performances Tatzu Nishi (1960, Japan) – Installationen, Konstruktionen Robert Scheipner (1966, D) – Videoinstallationen, bewegliche Konstruktionen Matthias Beckmann (1965, D) - Zeichnung Das Kunstprojekt „Tatort Paderborn – Irdische Macht und Himmlische Mächte“ initiiert Erkenntnisprozesse. Die eingeladenen Künstler gehen mit ihren künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum dem besonderen Spannungsverhältnis von Kirche und Staat nach, das sich u.a. stadthistorisch in der räumlichen Nähe von Sakral- und Profanbauten manifestiert. Macht und Machtausübung, Koexistenz und Kooperation, Verantwortlichkeit und Solidarität, aber auch Machtkampf und Machtmissbrauch sind inhaltliche Bezugspunkte der künstlerischen Recherchen. Die Kunstprojekte werden Verborgenes sichtbar machen, das Unausgesprochene ansprechen, das Vergessene wiederbeleben, Neuland betreten und Bilder entstehen lassen, die die Wahrnehmung und Erkenntnismöglichkeiten erweitern und einen veränderten Blick auf die Stadt Paderborn mit ihrer Geschichte und Gegenwart ermöglichen. Das Projekt „Tatort Paderborn“ findet zeitgleich mit den beiden Kunstgroßereignissen „documenta“ in Kassel und „skulptur projekte münster 07“ statt. Auf der Achse Kassel – Münster besteht für ein kunstinteressiertes Publikum die Möglichkeit, in Paderborn Halt zu machen, um zusätzlich zu den beiden Großveranstaltungen, bei denen es um herausragende Positionen der Gegenwartskunst (Kassel) bzw. um Kunst im urbanen Raum (Münster) geht, sich auf eine konzentrierte thematische Ausstellung mit Künstlern von internationalem Rang einzulassen, die sich an einem unverwechselbaren Ort mit einem Thema von existenzieller Tragweite auseinandergesetzt haben. Der Standort selbst ist das Thema Paderborn, das ist zunächst eine von langer Geschichte geprägte Bischofsstadt. Das Bewusstsein für die eigene Tradition und deren Bewahrung spiegelt sich insbesondere städtebaulich in dem getreuen Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg massiv zerstörten Stadt wider. Die Innenstadt umfasst heute mehr als 20 bedeutsame Gebäude, die zum Teil auf historischen Grundmauern wieder errichtet wurden. Mittlerweile hat sich Paderborn vor dem Hintergrund einer wesentlich sakral geprägten Vergangenheit zu einer modernen Stadt entwickelt. Eine dynamisch sich entfaltende Wissenschaft und Wirtschaft, eine Stadt mit eigener Universität, Flughafen und eine High-Tech-Industrie prägen das Selbstverständnis Paderborns, das sich auf das Nebeneinander von kultureller Kontinuität und Neuorientierung ausrichtet. Das Kunstprojekt nimmt diese Ambivalenzen in den Blick. Die Künstler werden die Eigenarten dieses Ortes aufspüren. Das Ausstellungsprojekt „Tatort Paderborn“ wird Mitte Mai 2007 eröffnet und bis in den September hinein in der Innenstadt von Paderborn zu sehen sein. In denselben Zeitraum fallen die beiden großen Stadtfeste „Libori“ und der „NRW –Tag“, der 2007 von Paderborn ausgerichtet wird. Damit werden insgesamt mehr als zwei Millionen Besucher die Ausstellung im Innenstadtbereich erleben.