Was macht Schmuck wertvoll?

Samstag Führung durch Schmuckausstellung

Eine Führung durch die Ausstellung „ Zauberwelt des Glasschmucks - Glasperlen und Glasschmuck aus dem europäischen Kulturkreis“, die noch bis 12. November im Historischen Museum im Marstall in Schloß Neuhaus zu sehen ist, bietet das Kulturamt der Stadt Paderborn am Samstag, 7. Oktober von 15 bis 18 Uhr an. Karin Rappold-Kleinert geht dabei auf die Frage ein, was Schmuck wertvoll macht und zeigt Perlstickereien. Dazu kommen Vorführungen von „Merowingerzeitlichen Glasperlen“ mit Christian Wilczewski Nach klassischer Auffassung bestimmt der Preis der Rohstoffe den Wert. Nur Edelmetalle wie Gold und Silber sowie Edelsteine gelten demnach als echter Schmuck. Doch es gibt auch eine andere Sichtweise, nach der Design und Qualität der Ausführung den Wert des Schmucks bestimmen. Modeschmuck liegt dazwischen, sehr viele Stücke imitieren zum Beispiel echten Juwelenschmuck. Ebenso viele sind aber auch eigenständige Entwürfe. Glas ist der wichtigste Werkstoff der Modeschmuckherstellung. Besonders brillant ist Bleikristall. Viele bemühten sich, für Schmuck geeignetes Glas zu schaffen. Am besten gelang dies um 1800 dem Elsässer Georges Frédéric Stras, dessen Name zur Markenbezeichnung von Schmuckglas wurde. Führend in der Kristallsteinherstellung wurde die Firma Daniel Swarowski in Tirol, die als erste den Maschinenschliff perfektionierte. Vor allem im 18. Jahrhundert gab es exklusiven Glasschmuck in höchster Qualität, der beim Adel beliebt war. Im Bürgertum wurde Glasschmuck dagegen als Zeichen sozialen Abstiegs angesehen. Die Massenproduktion von Schmuckglas, die auch erschwinglichen „Dienstmädchenschmuck“ möglich werden ließ, etablierte sich im 19. Jahrhundert in Böhmen. Vor allem in der Stadt Gablonz entwickelte sich ein arbeitsteiliges Verlagssystem von Glaswarenherstellern, Glasschleifern, Metallverarbeitern und Händlern. Nach 1945 kam die Produktion in Gablonz fast zum Erliegen. Vertriebene Hersteller siedelten sich in Kaufbeuren im Allgäu an, wo im Stadtteil Neugablonz eine erfolgreiche Schmuckproduktion wieder aufgebaut werden konnte. In den 50er und 60er Jahren arbeitete man für alle führenden Modehäuser in Paris oder den USA. Wirtschaftlich am erfolgreichsten war in dieser Zeit die Massenherstellung von Billigartikeln, die inzwischen aber oft weggeworfen und daher auch schon wieder rar geworden sind. In den USA konzentrierte sich die Modeschmuckherstellung auf Providence in Rhode Island, wo Mitte des 19. Jahrhunderts ein regelrechter Boom einsetzte. Amerikanerinnen mussten nicht befürchten, durch unechten Schmuck unteren Gesellschaftsschichten zugerechnet zu werden. Auch waren dort die Frauen emanzipierter und kauften sich ihren Schmuck selbst - das musste nicht immer der teuerste, wohl aber der witzigste sein. Ein anderer Faktor, der den Absatz von Phantasieschmuck enorm förderte, war der Hollywoodfilm. Spätestens ab den 30er Jahren übten Filmschauspielerinnen großen Einfluss auf die Konsumwünsche der Frauen aus. Glasschmuck, vor allem der brillant funkelnde Strass wurde auf diesem Wege zu einem geschätzten und weit verbreitetem Modeartikel des vergangenen Jahrhunderts.