Mit Triangel-Modell Eltern helfen

Jugendamt der Stadt kooperiert mit der Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift

Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu helfen, ist das Ziel einer Kooperation des Jugendamtes der Stadt Paderborn und der Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift Paderborn. Die Eltern sollen dabei mit dem so genannten Triangel-Konzept aktiviert werden. Einzelheiten dazu besprachen Vertreter beider Seiten auf einer Fachtagung. "Unser Ziel ist es, möglichst ortsnah geeignete Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien bedarfsgerecht anbieten zu können", so die Sozialbezirksleiterin Ulrike Timmer vom Jugendamt. Mit dem Triangel-Modell wollen die Einrichtungen die erzieherische Kompetenz der Eltern fördern. Diese soll die Eltern befähigen, Probleme mit ihren Kindern selbstständig zu lösen. Die erzieherische Zuständigkeit verbleibt dabei bei den Eltern. „Voraussetzung für die Umsetzung des Konzepts ist das Grundverständnis, dass Eltern Veränderungen bei sich selbst und im Umgang mit ihren Kindern selbst am besten und nachhaltig verwirklichen können“, erklärt Hans-Eberhard Cadenbach, Leiter der Therapeutischen Jugendhilfe St. Johannisstift Paderborn, den Grundgedanken des Modells. Wenn es Probleme bei der Erziehung der Kinder gibt, die die Eltern selbst sehen oder die von außen gesehen werden, haben die Eltern ein Recht auf Hilfe durch die öffentliche Jugendhilfe auf Grundlage des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Diese Hilfsangebote haben sich in den letzten Jahrzehnten gut bewährt. Kinder haben zudem ein eigenständiges Recht auf Hilfe in Notsituationen. Wenden sich Eltern, Kinder oder Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen an das Jugendamt, wird dort überprüft, welche Hilfe sinnvoll sein könnte und ob beispielsweise das Triangel-Modell grundsätzlich infrage kommt. Hier greift die enge Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift. Speziell geschulte Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift arbeiten seit Juni 2005 nach dem Ansatz der System- und Interaktionstherapie (SIT) in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder direkt in den Familien. Nach dem Triangel-Modell erfolgt die Arbeit mit den Eltern in drei Schritten: In einem ersten Schritt müssen die Eltern sich ihrer eigenen inneren Haltung bewusst werden und erkennen, wie sie diese verändern können, um Probleme mit ihren Kindern zu lösen. Wenn die Bereitschaft zu Veränderung besteht, werden in einem zweiten Schritt mögliche erreichbare Ziele und Wege zur Umsetzung aufgezeigt. Im letzten Schritt werden dann ganz konkrete Schwierigkeiten (z. B. „Was kann ich tun, damit mein Kind mir gegenüber Respekt zeigt?“ oder „Was kann ich tun, damit mein Kind aufsteht und zur Schule geht?“) thematisiert und entsprechende Erziehungsmaßnahmen zunächst in Form von Rollenspielen geübt, bevor sie in der Familie angewendet werden. Ein Mitarbeiter steht den Eltern dann bei der Umsetzung in der Familie beratend zur Seite (Coaching), greift aber nicht direkt in die Handlung zwischen Eltern und Kind ein. „Der Helfer selbst bewirkt nicht mehr die Veränderungen, sondern ist quasi ein ‚Katalysator’, der die Veränderungen ermöglicht und begleitet“, beschreibt Cadenbach die Aufgabe der Mitarbeiter. Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Eltern. Die Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift ist eingebunden in das Pflegenetzwerk St. Johannisstift Paderborn. Zu ihrem Leistungsspektrum gehören stationäre Erziehungshilfen in der Kindervilla in Scherfede, im Wohngruppenverbund in Lippstadt, in der Therapeutischen Jugendhilfe in Paderborn sowie in unterschiedlichen Projekten der Sozialpädagogischen Familienplätzen in Profifamilien. Zusätzlich gibt es derzeit in der Therapeutischen Jugendhilfe Paderborn die Angebote: Elternaktivierende aufsuchende Familienhilfe, Familienberatung und Familientherapie, teilstationäre Angebote verbunden mit aufsuchender Familienberatung und –therapie. Das Angebot insgesamt wird vervollständig durch Angebote zur Verselbständigung für Jugendliche und junge Erwachsene und betreutes Wohnen für diese Personengruppe. Sollten junge Menschen oder Familien besondere und flexible Unterstützung brauchen, ist die Kinder- und Jugendhilfe St. Johannisstift bereit solche anzubieten. Weitere Informationen erhalten Interessierte beim Jugendamt der Stadt Paderborn, Tel. (0 52 51) 88 16 35, oder über die Leitung der Therapeutischen Jugendhilfe St. Johannisstift, Tel. (0 52 51) 20 56 15.