Mathilde von Canossa im Werkstattgespräch

Mathilde von Canossa: Von der historischen Persönlichkeit zum Mythos

Mathilde von Canossa war eine der einflussreichsten Frauen des Mittelalters, Herrin über zahlreiche Burgen und Gastgeberin des Treffens zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. im Winter des Jahres 1077. Als enge Vertraute des Papstes und Verwandte des Königs betätigte sie sich als Vermittlerin, indem sie den beiden Protagonisten im Streit um die Führung der Christenheit ihre Stammburg Canossa als Verhandlungsort zur Verfügung stellte. Im Rahmen des letzten Werkstattgesprächs zur Canossa-Ausstellung am Mittwoch, 25. Oktober um 16 Uhr im Vortragsraum der Städtischen Galerie widmet sich die Referentin Simone Buckreus sowohl dem Leben der bedeutenden Fürstin als auch dem Nachleben der historischen Persönlichkeit in den folgenden Jahrhunderten. In der Rezeption des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit machte man Mathilde beispielsweise zum Symbol der Auseinandersetzung zwischen geistlicher und weltlicher Macht, zum frommen und tugendhaften Vorbild für alle Frauen, zur tatkräftigen Herrscherin mit männlichem Geist oder instrumentalisierte ihr Andenken für den universellen Geltungsanspruch des Katholizismus. Den Beinamen „la famosa contessa“ verdankt die Markgräfin von Tuszien ihrem politischen Geschick, ihrem scharfen Verstand und ihrer hohen Bildung. Sie förderte die vom Kloster Cluny und von Gregor VII. ausgehenden Reformen, zog als glühende Verfechterin dieser Ideen sogar gemeinsam mit dem Papst in den Krieg und machte sich damit auch den inzwischen wieder mächtigen König Heinrich IV. zum Feind. 1115 starb Mathilde von Tuszien und wurde in dem von ihr reich beschenkten Kloster S. Benedetto in Polirone beigesetzt.