Mütter als Expertinnen
Rucksack-Projekt unterstützt Frauen mit Zuwanderungshintergrund
Sie wollen neun Monate lang im übertragenen Sinne einen Rucksack schnüren, um ihre Kinder für die Zukunft zu wappnen. Dabei wird den Teilnehmerinnen des neuen Rucksack-Projektes in ihrer Muttersprache vermittelt, wie sie ihren Kindern bestimmte Themen in ihrer Muttersprache nahe bringen können. Parallel dazu bearbeiten die Erzieherinnen im Kindergarten das Thema mit den Kindern auf Deutsch. „Ich freue mich sehr, dass wir das Rucksack-Projekt nach langen Bemühungen auch nach Paderborn holen konnten, denn ich verspreche mir einen großen Gewinn für Mütter und Kinder“, so Dagmar Drüke, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Paderborn. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Paderborn bietet den ersten Kurs im Rahmen eines Pilotprojektes gemeinsam mit dem Jugendamt an. Zehn junge Mütter aus den Kindergärten „Wiesengrund“ und „Unter dem Regenbogen“ treffen sich einmal in der Woche, während ihre Kinder in den Einrichtungen betreut werden. Kursleiterin Anna Neumann, die Pädagogik studiert hat und Deutsch und Russisch spricht, vermittelt den jungen Frauen nicht nur wie sie ihre Kinder sprachlich fördern können, sondern unterstützt und stärkt sie auch in Erziehungs- und Alltagsfragen. Was muss mein Kind können, bevor es in die Schule kommt? Wie findet es schnell Anschluss? Wie sieht das deutsche Schulsystem aus? Diese und andere Fragen werden in dem Kurs behandelt. "Wir können mit den Müttern an einem Strang ziehen und somit gemeinsam vieles für die Entwicklung der Kinder tun", sind sich Ulrike Westphal, Leiterin des Kindergartens "Unter dem Regenbogen" und Sabine Lück, Leiterin des Kindergartens "Wiesengrund" einig. Das in Paderborn jetzt umgesetzte Projekt wurde von den Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) entwickelt. Es ist notwendig, weil viele Kinder aus Zuwandererfamilien in der Schule immer wieder erleben, dass fehlende deutsche Sprachkenntnisse den Erfolg beeinträchtigen. Ursache dafür ist, dass die Kinder ihre Erstsprache zwar beherrschen, aber nicht über ausreichende Sprachstrukturen verfügen, um weitere Sprachen, und damit auch Deutsch, optimal zu lernen. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass es Kindern besonders leicht fällt, sich eine neue Sprache im frühen Kindesalter anzueignen. Hier setzt das Rucksack-Projekt an. Angesprochen sind die Mütter als Expertinnen für das Lernen der Erstsprache. Eine Elternbegleiterin schult die Mütter, die dabei auch auf Arbeitsmaterialien zurückgreifen können. Die Mütter werden gezielt darauf vorbereitet, ihre Kinder in der Muttersprache aber auch in deren allgemeiner Entwicklung zu fördern. Das Rucksack-Projekt ist jedoch nicht nur ein Sprach- und Lernprogramm, sondern setzt sich auch kritisch mit Themen wie Schule, Alltag, Freizeit, Feiertage, Feste und Religion auseinander und ist auf diese Weise besonders lebensnah. Seit 1999 wird das Projekt bereits in vielen Kommunen durchgeführt und hat schon viel Positives bewirkt: So hat die Lernfreude und das Selbstbewusstsein der teilnehmenden Kinder deutlich zugenommen und die Sprachentwicklung verbesserte sich.