Vierbeiner als Landschaftspfleger

Am Güsenhofsee geht die Stadt Paderborn neue Wege

© Stadt Paderborn

Paderborn-Sennelager (IP). Die städtische Biotopfläche am Güsenhofsee in Sennelager nimmt weiter Gestalt an. Damit kommt die Stadt Paderborn ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach, als Ausgleich für Eingriffe in Natur und Landschaft durch Baumaßnahmen, zum Beispiel die Errichtung von Wohngebäuden oder den Bau von Straßen, Flächen im Stadtgebiet ökologisch aufzuwerten. Nachdem im letzten Jahr auf einer 15 Hektar großen Ackerfläche südlich des Güsenhofsees der Mutterboden abgeschoben worden ist, kam der ortstypische Sandboden zutage. Kleingewässer wurden angelegt, Dünen aufgeschüttet und so eine ursprüngliche Sennelandschaft nachempfunden. Überraschender Weise vollzieht sich die Wiederbesiedlung der völlig neu gestalteten Fläche schneller als erwartet. Wie Untersuchungen der biologischen Station Senne, die die städtischen Maßnahmen fachlich begleitet, ergaben, sind bereits nach einem Jahre Tiere und Pflanzen vorhanden, wie sie auch auf dem Truppenübungsplatz Senne zu finden sind. Darunter auch seltene Tierarten wie Insekten, die außerhalb des Truppenübungsplatzes auf der städtischen Fläche zum ersten Mal nachgewiesen werden konnten. Wenn das so weitergeht, wird sich die Ausgleichsfläche zu einem ökologischen Kleinod entwickeln. Seit einigen Tagen weiden vier schottische Hochlandrinder auf der Fläche. Es ist beabsichtigt, die Rinder ganzjährig auf dem eingezäunten Areal zu halten, wobei die Tiere im Winter zusätzlich gefüttert werden sollen. Als vierbeinige Landschaftspfleger werden die Rinder dafür sorgen, dass ein abwechslungsreiches Mosaik von Gehölzinseln und offenen Bereichen entstehen wird. Dabei beschreitet das städtische Amt für Umweltschutz und Grünflächen, das für diese Naturschutzmaßnahmen verantwortlich ist und die Ausgleichsfläche betreut, neue Wege und greift auf Erfahrungen aus anderen Weideprojekten zurück. Dort hat sich gezeigt, dass die großen Pflanzenfresser eine ökologisch interessante und kostengünstige Form der Landschaftspflege darstellen. Für das kommende Jahr sind weitere landschaftspflegerische Maßnahmen vorgesehen. So sollen am Südufer des Güsenhofsees Flachwasserzonen geschaffen und Amphibienlaichgewässer angelegt werden. Dadurch wird der Übergang zwischen Wasser und Land des künstlichen Abgrabungsgewässers abwechslungsreicher gestaltet und die Bedingungen für eine Besiedlung mit lebensraumtypischen Tierarten, zum Beispiel Libellen oder Frösche und Kröten, werden so verbessert. Naturfreunde, die am landschaftlich reizvoll gelegenen Güsenhofsee regelmäßig spazieren gehen, sollen das Gelände außerhalb der Umzäunung natürlich auch weiterhin betreten können. Von wahren Naturfreunden wird allerdings erwartet, dass sie ihre persönlichen Interessen zurückstellen, auf seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten Rücksicht nehmen und bereit sind, sich mit den damit verbundenen Einschränkungen zu arrangieren. Denn auf der Ausgleichsfläche hat der Naturschutz eindeutig Vorrang. Um die Schutzwürdigkeit der Fläche interessierten Bürgerinnen und Bürgern näher zu bringen, sollen in Zukunft fachkundige Führungen angeboten werden. Außerdem ist geplant, in Nähe der südwestlichen Ecke des Güsenhofsees eine Aussichtsplattform zu errichten, sodass die Seefläche und die sich südlich anschließende Weidelandschaft aus der Vogelperspektive betrachtet werden können. Durch diese begleitenden Maßnahmen strebt die Stadt Paderborn ein harmonisches Nebeneinander von Naturschutz und Naherholung an.