Die Engel verlassen die Stadt

Kunstprojekt „Tatort Paderborn“ endet Sonntag

Zwölf Künstler, zwölf große Arbeiten im öffentlichen Raum – im Kunst-Sommer 2007 fand in der ostwestfälischen Stadt Paderborn zum ersten Mal ein international besetztes Public Art Projekt statt. „Tatort Paderborn – Irdische Macht und Himmlische Mächte “ trat an, das Spannungsfeld zwischen Kirche und Staat, Religion und Politik mit Kunst im öffentlichen Raum auszuloten. Künstler aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Japan gingen in der alten Bischofsstadt auf Spurensuche. Jetzt werden ihre temporären Arbeiten wieder abgebaut, am Sonntag, 2. September, ist Finissage. Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgten die nachdenklichen Schutzengel des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl. Die goldenen Himmelswesen sind beliebt: scharenweise verschwanden sie von Mauern und Fassaden. Mehrfach brachte Ottmar Hörl neue Engel in die Stadt, insgesamt waren es fast 600 der begehrten Multiple-Skulpturen. Zum unübersehbaren, temporären „Wahrzeichen“ wurde der viereinhalb Meter hohe und sechs Meter breite „Wellness-Skull“ des Niederländers Joep van Lieshout. Der riesige Totenkopf mit Sauna und Badewanne steht am Ufer der Pader unterhalb von Dom und historischer Kaiserpfalz - ein modern interpretiertes Symbol der Vergänglichkeit im Schatten kirchlicher und weltlicher „Machtzentren“. Kontrovers diskutiert wurde vor allem das Readymade des Dänen Henrik Plenge Jakobsen, der eine „stumme“ Kirchenglocke in der Bischofsstadt platzierte. Sie ruht auf einem gemauerten Sockel zwischen Dom und evangelischer Abdinghofkirche und ihre Inschrift verkündet: „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?“ Ein Zitat von Friedrich Nietzsche aus dem Jahr 1882. Viele Befürworter fand die Arbeit von Dagmar Demming, die die Licht-und Klanginstallation mit dem Titel „Aktuelle Ausgrabung“ gerne als dauerhafte Einrichtung sehen würden. Die Erfurter Kunst-Professorin hat sich mit dem düsteren Busbahnhof unter dem Königsplatz einen eher untypischen Ort Paderborns ausgesucht, einen unwirtlichen „Unort“. Hier hat sie ein „Lichtballett“ der Betonsäulen geschaffen und lässt Interviews mit Jugendlichen einspielen, die über ihre Ängste, Sehnsüchte und Träume berichten. Zur Finissage am Sonntag, 2. September sind die Kuratorin Ingrid Raschke-Stuwe und einige der teilnehmenden Künstler in Paderborn. Zum letzten Mal wird der Berliner Performance-Künstler Johan Lorbeer zwischen Himmel und Erde schweben: Am Gleseker-Hauses, Markt 14, steht, neben den angekündigten Terminen – Samstag, 1.September, von 15 bis 17 Uhr und So. 2. September, von 11 bis 12.30 Uhr – am Sonntag zwischen 15 und 16.30 Uhr eine zusätzliche Performance auf dem Programm. Zwischen 15 und 16.30 Uhr gibt es noch einmal Gelegenheit Fragen zur Kunst zu stellen und fach­kundige Erläuterungen zu hören, an jeder Arbeit eine Führerin/ein Führer die Besucher; die öffentliche Führung entfällt. Ab 17 Uhr führt am Sonntag, 2. September, der Düsseldorfer Maler Horst Gläsker sein TISCHKONZERT in der Städtische Galerie auf. Für das Paderborner Kunstprojekt schuf er ein vielfarbiges Labyrinth auf dem Vorplatz der Marktkirche. Seine 30-minütige Klang-Performance ist für ihn ein „Belebungsakt“ in dem es um Raum, Zeit und Rhythmus geht. „In einer kultisch anmutenden Landschaft bewegt er sich mit der Kraft und Konzentration eines Schamanen“ – schrieb ein Kritiker „Pfeifen, Blasebälge, Kaffeebüchsen und Kinderspielzeug – alles wird unter seinen Händen zu einem Klangkörper“. Horst Gläsker verbindet mit seiner Aktion Tanz, Musik, Performance und Malerei. „Der Tisch ist für mich eine Urform, ein Resonanzkörper“, sagt er „und das Trommeln dient zum Erfinden der Malerei, es ist gleichzeitig Meditation und Besinnung.“ Ausklang mit Kuratorin und Künstlern Zum Ausklang gibt es ab 17.30 Uhr Wein, Häppchen und Gespräche in der Städtischen Galerie, die Kuratorin Ingrid Raschke-Stuwe, die Künstler Robert Scheipner, Eva-Marie Joeressen, Johan Lorbeer und Horst Gläsker sind anwesend. Weitere Inormationen unter www.tatort-paderborn.de