Shakespeare, Märchen und Heavy Metal
Paderborner Puppenspielwochen vom 22. Februar bis 11. März
Die 27. Paderborner Puppenspielwochen wenden sich mehr als je zuvor an Erwachsene. Ein Drittel der 18 Stücke ist für Erwachsene gedacht, außerdem ein Workshop. Bei dem Festival vom 22. Februar bis zum 11. März spielen renommierte Ensembles aus ganz Deutschland und Paderborner Puppenspieler in der Kulturwerkstatt und der Paderhalle. Das ganze Programm gibt es unter www.paderborn.de, Karten im Ticketcenter am Marienplatz, Tel. (05251) 2 9 75 0. Das Programm kann man sich kostenlos zusenden lassen: Tel. (05251) 88 16 05. Dort kann man sich auch zu dem Workshop anmelden. „Figurentheater hat Vorteile bei der Ansprache von Kindern, aber keine Nachteile bei der Ansprache von Erwachsenen.“ sagt Stephan Schlafke, Chef der deutschen Sektion des Weltpuppenspielerverbandes UNIMA. „Die Vorstellung, dass es vorrangig Kindertheater sei, ist historisch und prinzipiell nicht korrekt.“ In Paderborn gibt er einen zweitägigen Workshop für Erwachsene („Maximal 10 Teilnehmer, damit es was bringt!“) und spielt in Shakespeares „Othello“, einer Koproduktion des Meininger Theaters mit zwei Berliner Bühnen. Bekannte Literatur steht sowohl für Erwachsene als auch für Kinder im Vordergrund: Von Kafkas „Strafkolonie“ über Schillers „Räuber“, Tolkiens „Hobbit“ und Andersens „Neue Kleider des Kaisers“ reicht die Liste bis zu Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“. Auch Volksbücher von „Faust“ bis zu Grimm-Märchen wie „Froschkönig“ zählen dazu. Die meisten Stücke halten sich eng an die Vorlagen. Eine spannende Ausnahme ist „Macbeth für Anfänger“ von Tristans Kompagnons aus Nürnberg. Ausgerechnet Kasper wird ein Macbeth, wie ihn die Theatergeschichte nicht kennt und auf dessen eindringliche, subtile Darstellung jedes Staatstheater neidisch sein muss. Die andere spektakuläre Ausnahme ist „Das Institut“ nach „Struwwelpeter“ vom Weiten Theater Berlin: ein Trip ins Frankenstein-Labor mit rabenschwarzem Humor und „hochenergetisch-expressiver“ Live-Musik von einer röhrenden Heavy Metal Band. Nichts für schwache Nerven, kein Zutritt für Menschen unter 13. Ausgekostet wird die Bandbreite der Spielweisen. Kolja Liebscher aus dem thüringischen Schleusingen etwa pflegt in „Das goldene Haar des Teufels“ das Schattenspiel. Sein Veranstalter Robert Husemann ist begeistert: „Beim bundesweiten Amateur-Wettbewerb habe ich ihn kennen gelernt und nach Paderborn eingeladen. Zu Recht hat er dort den ersten Preis bekommen.“ Auf einer Barockbühne spielt die Schutzengel-Geschichte „Glittra, der Engel“ mit zwei Berliner Puppenspielerinnen. Und in „Tiermärchen aus aller Welt“ zieht das Theater Wilde Hummel aus Bochum alle Register der Figurentheater-Phantasie. Kulturamtsleiter Gockel-Böhner gibt Hinweise zur Veranstaltungsstruktur. Das meiste Geld komme von der Stadt Paderborn, erheblich gewachsen sei gegenüber früher der Anteil der Förderung durch das Kultursekretariat NRW Gütersloh: „Als Städtegemeinschaft haben wir dort beschlossen, Figurentheater nicht nur im Rahmen des Kindertheaters zu fördern, sondern auch eine Förderung für Figurentheater für Erwachsene einzurichten. Das verschafft unserem Festival neue Möglichkeiten.“ Darüber hinaus seien viele Produktionen von anderer Seite gefördert worden, etwa „Othello“ vom Kulturstaatssekretär der Bundesregierung, „Ronja Räubertochter“ von der niedersächsischen Lottostiftung und „Drei kleine Schweinchen“ vom Landschaftsverband Osnabrücker Land. Das schlage sich indirekt auch in Paderborn nieder. Sein besonderer Dank geht an die Paderborner Puppenspiele Robert Husemann und Nelo Thies Theater-Texte-Takte Borchen. „Die beiden hängen nicht am städtischen Tropf, sondern sind mit privatem Engagement seit Jahren unverzichtbare Säulen des Programms. Und sie spielen nicht nur selbst, sondern engagieren auch Gastbühnen.“ Husemann steuert neben Repertoirestücken die Premiere „Die Prinzessin ist futsch“ bei. Nelo Thies hat das Stück vom „Esel Balduin“ aus Schloß Hamborn eingeladen. Sie selbst spielt nicht nur in der Kulturwerkstatt („Minifee“, „Der Hund ist doch lieb“), sondern auch im Mallinckrodthof Borchen und im Amalthea-Theater, wo es zur „Räuber“-Jubiläumsvorstellung Sekt, Schillerlocken und Schiller-Rezitationen von Schauspielern gibt.