Auf Ausgleich bedacht

Kurt Steinitz feierte 100. Geburtstag

© Stadt Paderborn

"Ihr Leben ist ein Spiegelbild der deutschen und europäischen Geschichte in den letzten 100 Jahren." Dies sagte Bürgermeister Heinz Paus als er Kurt Steinitz zum 100. Geburtstag gratulierte. Paus, der die Glückwünsche aus Stadt und Kreis überbrachte, würdigte die Lebensleistung von Kurt Steinitz, der trotz schlimmer Erfahrungen und Erlebnisse während des zweiten Weltkrieges auf Ausgleich und Versöhnung bedacht gewesen sei. Der 1907 in Hindenburg (Oberschlesien) geborene Steinitz arbeitete nach einer Schlosserlehre zunächst im elterlichen Fuhrgeschäft. Als auch in Oberschlesien später als im übrigen Deutschland antisemitische Aktionen stattfanden, entschloss er sich nach Palästina zu emigrieren. Um sich dafür das notwendige Rüstzeug in Landwirtschaft und Gartenbau zu holen, kam er im November 1939 in das Umschulungs- und Einsatzlager am Grünen Weg in Paderborn, das von der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland mit Genehmigung der Stadt Paderborn eingerichtet worden war. Mit der Auflösung des Lagers durch die Gestapo erhielt auch Kurt Steinitz den Deportationsbefehl zum Konzentrationslager Auschwitz. Im Außenlager Monowitz war er unter mörderischen Bedingungen als Zwangsarbeiter tätig. Über das Lager in Mittelbau-Dora- Nordhausen kam Kurt Steinitz nach Bergen-Belsen. Nach dem Krieg und eines Aufenthalts in Palästina kehrte Kurt Steinitz 1957 nach Paderborn zurück. Er war hier aktiv am Aufbau der Jüdischen Kultusgemeinde beteiligt. Immer wieder suchten und suchen ihn Schüler für Zeitzeugengespräche zum Nationalsozialismus auf.