Ohne Transparenz keine Akzeptanz
Paderborner Bauausschuss besuchte Heizkraftwerk Minden und MVA Bielefeld
"Mit Bürgerinitiativen gehen wir sehr offen um. Wir als Betreiber gehen auf die Leute zu, sie kommen auf unsere Anlage." Dieter Wohlwend, im Mindener ENERGOS Heizkraftwerk für Umwelt- und Arbeitsschutz zuständig, weiß, wovon er spricht. Der Experte der interargem GmbH hat das Mindener Werk mit aufgebaut und dabei hautnah erlebt, wie wichtig die Öffentlichkeitsarbeit für ein vertrauensvolles Miteinander ist. Ohne Transparenz bekomme man für die Anlage keine Akzeptanz, sagte er vor Mitgliedern des Ausschusses für Bauen, Planen und Umwelt der Stadt Paderborn. Die knapp 20köpfige Gruppe, zu der auch Bürgermeister Heinz Paus, Arnold Niehage von der Bezirksregierung Detmold, der Gutachter Prof. Dr. Wolfhelm Bitter vom Westfälischen Umweltzentrum sowie weitere Vertreter der Verwaltung gehörten, informierte sich in Minden und danach in der Müllverbrennungsanlage Bielefeld über das Thema. Mit dieser Informationsfahrt soll die Stellungnahme der Stadt Paderborn zum geplanten Industrieheizkraftwerk in Paderborn-Mönkeloh vorbereitet werden. Darüber wird in der Sitzung des Bauausschusses am 13. Februar beraten. "Wir wollen uns informieren, um jegliche Risiken für unsere Bürgerinnen und Bürger auszuschließen", formulierte Raimund Bredenbals zu Beginn das Ziel der Reise. Dass die Politiker eine Vielzahl von Informationen von gestandenen Praktikern bekamen, konnte am Ende der eintägigen Fahrt festgestellt werden. In Minden erfuhren die Paderborner, dass die dortige Anlage zwar nur ein Drittel der Leistung des geplanten Industrieheizkraftwerkes in Mönkeloh aufweist, jedoch auch Energie für ein benachbartes Unternehmen liefert und auch so genannte Ersatzbrennstoffe aus Müll einsetzt. Wie Dieter Wohlwend vom Mindener ENERGOS Heizkraftwerk mitteilte, halte das Werk bei den Schadstoffen auf freiwilliger Basis so genannte Vorsorgewerte ein. Das betreffe beispielsweise Chlorwasserstoffe, Schwefeldioxid, Staub und Flurwasserstoffe. Diese lägen deutlich unter den vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Grenzwerten. Um Akzeptanz zu bekommen, habe man im Vorfeld unter anderem eine Immissionsschutzmessung durchgeführt und ein humantoxikologisches Gutachten anfertigen lassen. Ein umfangreiches Qualitätsmanagement bei der Eingangskontrolle des Brennstoffs sichere die Einhaltung der freiwilligen Vorsorgewerte. Rainer Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der interargem GmbH, die auch die Bielefelder Müllverbrennungsanlage betreibt, unterstrich, dass in der MVA durch Investitionen von 120 Millionen Euro in die Rauchgasreinigung die gesetzlichen Grenzwerte um 85 bis 99 Prozent unterschritten werden. Die MVA Bielefeld habe eine hervorragende Akzeptanz. Beim Tag der offenen Tür im letzten Jahr hätten etwa 25.000 Menschen die Anlage besucht.