Wo Wände wackeln und weichen
Umbau des Paderborner Rathauses liegt voll im Plan
Zurzeit kann man sich im Paderborner Rathaus nur staubige Schuhe holen. Die Geländer sind mit Holzplatten geschützt, den Blick durch den großen Rathaussaal verstellen Baugerüste und dort, wo einst Küche, Garderobe und Theke standen, ist bereits sichtbar, wie groß das neue Foyer einmal werden wird. "Wenn man bedenkt, dass sich früher Rollstuhlfahrer zwischen den Mineralwasserkisten durchschlängeln mussten, so bringt die neue Aufteilung in der ersten Etage gerade in dieser Hinsicht viele Vorteile", zeigte sich Bürgermeister Heinz Paus zufrieden. Paus, der mit dem Verwaltungsvorstand kürzlich genauso die Baustelle besuchte wie die Arbeitsgruppe "Rathausumbau" des Rates, konnte von Volker Hermann, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement der Stadt, erfahren, dass die Arbeiten voll im Plan liegen. Hermann ist sich sicher, dass die Arbeiten bis zu Libori beendet sein werden. "Unser Ehrgeiz ist es, auch schon zum Schützenfest unser neues Rathaus wieder beziehen zu können", setzt er auf einen so zügigen Ablauf der Bauarbeiten wie bisher. "Besucher werden das Rathaus, insbesondere das Obergeschoss, nach dem Umbau nicht mehr wieder erkennen", so Hermann. Bis zum Jahreswechsel seien im Wesentlichen Abbruch und Rohbauarbeiten durchgeführt worden, sagt Werner Karhoff von der "architektur-werk-stadt" Balhorn, Wewer, Karhoff, die gemeinsam mit dem Innenarchitekten A. K. Brinkschröder die Planungen für diesen Umbau erarbeitet hat. Jetzt seien die Konturen der neuen Räume erkennbar, die das Rathaus großzügiger erscheinen lassen. Wie Werner Karhoff weiter mitteilte, seien das Obergeschoss und Teile des Erdgeschosses vollständig entkernt worden. "Wir haben bis zu 1,60 Meter dicke Wände zu den Erkerzimmern durchbrochen, um das neue großzügige Raumkonzept im Ratssaal umzusetzen", so Karhoff. Im ehemaligen kleinen Rathaussaal sind Leichtbauwände eingezogen worden, um Platz für die Küche, die Theke und ein Cafe zu schaffen. Mehr als 20 Gewerke werden insgesamt am Umbau beteiligt sein. Das im Krieg zerstörte und 1957 fertig gestellte Rathaus wird damit nach fast 50 Jahren erstmals umfangreich renoviert und modernisiert. Im Mittelpunkt des Umbaus steht die obere Etage des Rathauses. So wird der große Saal ein neues Gesicht bekommen, die Aufteilung des Obergeschosses wird verbessert, der Zugang, insbesondere für Behinderte vereinfacht, ein zweiter Rettungsweg zur Scharnegasse eingerichtet. Der große Rathaussaal bekommt eine neue Beleuchtung, eine neue Klimatechnik und neue Möbel. Das bisherige Problem mit den schweren Stühlen und Tischen wird durch leicht demontierbare und zu verstauende Nachfolger gelöst. Ein Stuhllager auf dem Rathausboden sorgt dafür, dass die Stühle und Tische nicht mehr in den Erkerzimmern gestapelt werden müssen. Damit sind flexiblere Nutzungsmöglichkeiten gegeben. An der typischen Paderborner Sitzordnung - dem Tischoval - wird festgehalten. Zuhörer haben im neuen Rathaussaal mehr Platz. Mit der Neugestaltung des Ratssaals und seiner Nebenräume könne das Rathaus auch in Zukunft eine lebendige Begegnungsstätte sein, die Tradition und Innovation auf eindrucksvolle Art und Weise verbindet, so Helga Voß, stellvertretende Leiterin des Amtes für Gebäudemanagement. Durch den Umbau des Obergeschosses eröffnen sich auch für den unteren Bereichs des Rathauses neue Möglichkeiten. Das Trauzimmer, das derzeit beim Einwohneramt im Stadthaus Am Abdinghof untergebracht ist, wird wieder ins Rathaus zurückkehren. Da die übrigen Büros des Standesamtes aber Am Abdinghof bleiben, ergeben sich im Erdgeschoss vielfältige Nutzungschancen in einem neu geschaffenen Multifunktionsraum, der in der kalten Jahreszeit unter anderem für Hochzeitsgesellschaften vorgesehen ist.