Libori mit Jubiläum
150 Jahre Kirmes auf dem Liboriberg
Es waren die Zeiten, als zum Liborifest noch „die zehn kleinsten Pferde der Welt aus dem großen Hamburger Tierpark“ kamen. Als das „mechanische Theater Potthast“ ein neues „Riesen- und Weltstadtprogramm“ ankündigte und es war die Zeit, als „der Andrang nach Paderborn… auf dem benachbarten Eisenbahnstationen zu den sonder- wie den fahrplanmäßigen Zügen außerordentlich stark“ war, „sodass hie und da der Fahrkartenvorrat zu Ende ging“. Schilderungen aus Paderborner Zeitungen Mitte des 19. Jahrhunderts, die belegen, dass die Libori-Kirmes schon damals ein Renner war. In diesem Jahr feiert die Kirmes, die vom 28. Juli bis zum 5. August stattfindet, ihr 150jähriges Bestehen auf dem Liboriberg. 1857, so geht aus den Chroniken hervor, zog das Kirmesgeschehen vom Markt- und Domplatz auf den Liboriberg. Auf dem Markt- und Domplatz sowie dem kleinen Domplatz fanden bis dahin der Libori- bzw. Magdalenenmarkt statt. Dabei gab es jedoch nicht nur Verkaufsstände, sondern auch Schaubuden, die als Vorläufer der Liborikirmes gelten können. Wie Barbara Stammbolis in ihrem Buch „Libori - das Kirchen- und Volksfest in Paderborn“ schreibt, gab es von 1810 bis 1857 gerade einmal 40 Jahre lang eine räumliche Einheit an kirchlichen Festgeschehen, Markt- und Kirmes. Der Kirmesbetrieb störte jedoch nicht selten die Andachten im Dom. Gerade auch aus diesem Grund verlegte man das Kirmesgeschehen auf den Liboriberg. Bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts war der Platz vor dem Westerntor in Paderborn der tradtionelle Ort für die Kirmesveranstaltungen und Jahrmärkte. Als der Liboriberg um die Mitte des 19. Jahrhunderts zum Mittelpunkt der Libori-Kirmes wurde, befand sich dort schon seit etwa 120 Jahren die Liborikapelle. Nicht zuletzt durch die Kirmes wuchs der Liboriberg enger mit der Stadt zusammen. In der Kirmes selbst standen bis zum 19. Jahrhundert artistische Darbietung, Schauvorführungen von Personen, Tieren sowie Theateraufführungen im weitesten Sinne im Mittelpunkt, fand Barbara Stambolis in ihrem Werk heraus. Fahrgeschäfte wie Karussells, russische Schaukeln als Vorläufer des Riesenrades, transportable Rutschbahnen, Schießbuden usw. entwickelten sich erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Anziehungspunkten. Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts hatten sich die Karusselltypen wenig verändert. Danach jedoch wurden in immer kürzeren Abständen Neuentwicklungen vorgestellt. Das war insbesondere durch die Nutzung der Dampfkraft und dann der Elektrizität für die Karussells möglich. Eine große Rolle auf den damaligen Jahrmärkten spielten auch sogenannte Panoramen und mechanische Theater. „Nie fehlten die Buden mit den großen Vergrößerungsgläsern vor den Gucklöchern, durch die man die schaurigsten Weltereignisse zu sehen bekam“, gibt Barbara Stambolis in ihrem Buch die Eindrücke einer Leserin in der Liboribeilage einer damaligen Zeitung wieder. In den Anzeigen für die mechanischen Theater versprachen die Besitzer malerische Ansichten der Welt, luden ein zu Nordpolexpeditionen oder Reisen über den Ozean. Auch Katastrophen konnten die Betrachter miterleben.