Gäste aus China
Auf Info-Tour im Stadtplanungsamt
Die seit 2003 bestehenden Kooperationsvereinbarungen zwischen der nordchinesischen Stadt Qingdao und der Stadt Paderborn wecken auch in der Umgebung der Partnerstadt am Chinesischen Meer Interesse. So machte eine Delegation aus der 1,5 Millionenstadt Tai`an - ebenfalls wie die Partnerstadt Qingdao in der Provinz Shandong gelegen - im Stadtplanungsamt der Stadt Paderborn Station, um sich über Themen der Stadtplanung und Stadtentwicklung zu informieren und auszutauschen. Auf den ersten Blick ist die an Einwohnern zehnmal größere nordchinesische Stadt Tai`an mit dem ostwestfälischem Paderborn wenig vergleichbar. Wie im beiderseitigen Vortrag jedoch zu erkennen war, weisen beide Städte zumindest bezüglich ihrer Wachstumsdynamik in die gleiche Richtung. Die in China seit den 80ziger Jahren nach der Öffnung des Landes von Seiten des Staates forcierte Wirtschaftsentwicklung hat in einigen Städten und Stadtregionen des Riesenreiches einen regelrechten Bauboom zur Folge. Die von den Planern der nordchinesischen Stadt Tai`an vorgestellten Fotos und Broschüren ihrer Stadt zeigen eine Stadtsilhouette, geprägt vom mehrstöckigen Geschosswohnungsbau in kaum vorstellbarer hoch verdichteter Bauweise. Dass dieser Städtebau im völligen Gegensatz zur Bauweise in der ebenfalls wachsenden Stadt Paderborn steht, hat seinen Hintergrund in den völlig andersartigen Gesellschafts- und Bevölkerungs- sowie Planungsstrukturen. Die gesetzlich verankerte Planungshoheit und Selbstverwaltungsgarantie von Städten und Gemeinden sowie der Ausgleich unterschiedlicher Interessen von Bürgern und öffentlichen Belangen im Planungsgeschehen der Bundesrepublik Deutschland wird in der Stadt Tai`an ersetzt durch das Interesse von Partei und Staat. Bürgerbeteiligung und Ausgleich von Interessen - wie an Beispielen von städtebaulichen Großvorhaben in Paderborn vorgestellt - sind im Planungsgeschehen der Stadt Tai`an ebenso wie eine gerichtliche Nachprüfung nicht vorgesehen. So war die Übersetzung der Dolmetscherin zu diesem Themenbereich eindeutig: „Dass etwas Neues gebaut wird, erfährt der Bürger mit all seine Konsequenzen; wenn mit den Baumaßnahmen begonnen wurde“. So werden insbesondere Großprojekte für Infrastrukturmaßnahmen und Städtebau häufig im nationalen Interesse in Angriff genommen. Vorzeigebeispiel ist hier sicherlich die Sommerolympiade im nächsten Jahr in der Hauptstadt Peking mit der Austragung der olympischen Segelwettbewerbe in der Bucht vor Qingdao in der Provinz Shandong. Großes Erstaunen erweckte die Antwort auf die Frage nach den Beschäftigten im Stadtplanungsamt der Stadt Paderborn, die mit 19 angegeben selbst im Verhältnis zur deutlich geringeren Einwohnerzahl in der chinesischen Stadt um ein Mehrfaches überschritten wurde. Die Erklärung war jedoch insbesondere mit dem Hintergrundwissen der Dolmetscherin schnell gefunden. Nicht nur Planung (wie in Paderborn), sondern auch die gesamte Ausführung z. B. von Straßen und Kanälen bis hin zur Ausführung der gesamten Hochbaumaßnahme befindet sich dort in der Zuständigkeit des Amtes für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Kaum zu glauben, dass ein Land mit einer Bevölkerung von ca. 1,3 Milliarden Menschen ähnliche Probleme wie die Bundesrepublik Deutschland und etwas verzögert auch die Stadt Paderborn in den nächsten 20 bis 30 Jahren ereilen. Die Bevölkerung wird immer älter und letztlich deutlich weniger.