Wie fühlt sich ein Emigrant?

atheater aus Münster mit "Emigranten" heute in der Friedrich-von-Spee Gesamtschule

© Stadt Paderborn

AA und XX teilen sich einen Raum als Unterkunft und gehen sich nach Kräften auf die Nerven. Am Silvesterabend kommt zum Showdown. Nur der Selbstmordversuch des einen und das nächtliche Schluchzen des anderen erinnern daran, dass die Suche nach Freiheit, zu deren Formen auch die Emigration gehört, vor allem schmerzvoll ist. Da kommen Fragen, Fragen, Fragen… Ob jemand, egal, wo er wohnt, heute sagen kann, dass er kein Emigrant ist? Ob jeder sagen kann, wo diese Stelle auf der Erde ist, wohin er gehört? Und ob man zum Schluss die Kräfte findet, um zurückzukehren? Antworten auf diese Fragen gibt das „atheater“ aus Münster in dem Stück „Emigranten“, frei nach Slawomir Mrozek. Die Inszenierung ist am Freitag, 23. März um 19 Uhr in der Aula der Friedrich-von-Spee Gesamtschule, Weißdornweg 6, zu erleben. Es spielen Arina Chestnova, Jana Ostertag, Andrej Lasarew und Alexander Oster, der auch Regie führt. Die vier sind selbst Emigranten: die ehemaligen Mitglieder des Deutschen Theaters Almaty aus Kasachstan leben heute in Münster. Nach Paderborn geholt hat das Stück die Veranstaltergemeinschaft "Monolith e.V. - Netzwerk Aussiedler", die Deutsch-Russische Gesellschaft Paderborn e. V. (DRG) und die Stadt Paderborn. Wie fühlt sich ein Emigrant? Hier will das „atheater“ helfen. Mit einer Inszenierung nach dem Stück „Emigranten“ des polnischen Autors Slawomir Mro?ek, der mit Beckett und Dürrenmatt zu den bedeutendsten Dramatikern zählt. Der Intellektuelle AA, aus politischen Gründen emigriert, spricht deutsch, Gastarbeiter XX russisch. Er will möglichst schnell viel Geld verdienen und dann in seine Heimat zurück. Wozu da extra die Sprache lernen? So ernst das Thema auch ist, es gibt auch viel zu lachen bei der Auseinandersetzung des ungleichen Paares. Sogar einen Kompromiss schaffen sie: der Intellektuelle bindet freiwillig eine Krawatte um, und das Proletariat erklärt sich bereit, zur Feier des Tages die Socken zu wechseln. Regisseur Alexander Oster hat den Klassiker aus dem Jahr 1974 „entstaubt“. Reden von der „kommunistischen Gesellschaft“ wurden entfernt. Und überhaupt: „Man spricht heute nicht mehr so viel.“ Dafür wird die Situation der Protagonisten zugespitzt: „Wir zeigen ein psychologisches Theaterstück.“ Oster hat mit Anna Chestnova und Jana Ostertag zwei Frauenfiguren hinzugefügt. Die fungieren als Projektionsfläche für Hoffnungen und Ansprüche, Sehnsüchte und Trauer. Eintrittskarten ( 7 €, ermäßigt 5 €)gibt es bei MONOLITH e. V., Salentinstr. 5, Tel. 87 85 71, im Sekretariat der Friedrich-von-Spee Gesamtschule, Weißdornweg 6 sowie an der Abendkasse.