Jugendstilträume

Historisches Musuem eröffnet am Freitag neue Ausstellung

Jugendstilträume werden ab Freitag, 16. November, im Historischen Museum im Neuhäuser Marstall wahr. Bis zum 27. Januar sind dort Stücke aus der Sammlung Giorgio Silzer zu sehen. Die Ausstellung wird am Freitag um 19 Uhr im Audienzsaal des Neuhäuser Schlosses eröffnet. Aus einer der größten Privatsammlungen zum Jugendstil wird eine Auswahl präsentiert. Schon früh begeisterte sich der 1920 geborene Geigenvirtuose und langjährige Konzertmeister der Deutschen Oper Berlin, Giorgio Silzer, der sich gern als „Medium für schöne Dinge, die zusammenkommen wollen“ bezeichnet, für den Jugendstil. Er trug im Laufe seiner Sammeltätigkeit eine umfangreiche Kollektion von kunsthandwerklichen Arbeiten des Jugendstils zusammen. Gebrauchsgerät aus Keramik, Glas und Zinn ist ebenso zu finden wie eine reiche Sammlung Silberbesteck. Alle bedeutenden Werkstätten von Berlin bis Paris, von Wien und St. Petersburg bis Nancy und Sèvres sind hier vertreten. Peter Behrens, Joseph Maria Olbrich, Henry van de Velde oder Peter Carl Fabergé und Emile Gallé lassen in ihren Meisterwerken die Welt der "Belle Époque" wieder auferstehen. Die Sammlung bietet einen charakteristischen Einblick in die stilistischen Neuentwicklungen des Jugendstils zwischen 1885 und 1914, in seine ambivalenten Richtungen zwischen einer spielerisch-ornamentalen, vegetabile Formen aufnehmenden sowie einer schlichteren, am Ausgleich von Form und Funktion orientierten Gestaltungsweise. Mit der Ablehnung des Historismus wurden neue künstlerische Ideen, beispielsweise aus der japanischen und orientalischen Kunst, oder aus der vorklassischen Antike eingebracht. Das große Ziel war die Schaffung einer neuen, ins alltägliche Leben hineinwirkenden Gesamtkunst aus Architektur, bildenden und darstellenden Künsten, aus Handwerk wie aus allgemeiner Lebensgestaltung. Sämtliche industrialisierten Nationen wurden vom kulturellen Aufbruch im Jugendstil erfasst - er umschrieb gleichermaßen Lebensphilosophie und Internationalität der künstlerischen Gestaltung und konnte schließlich zur Grundlegung der Moderne nach dem 1. Weltkrieg werden. Zur feierlichen und kostenlosen Ausstellungseröffnung laden das Kulturamt und der Förderkreis des Historischen Museums im Marstall ein. Neben Dr. Norbert Börste, Leiter des Historischen Museums im Marstall, wird der sehr rüstige und bereits 87jährige Girgio Silzer selbst den Einführungsvortrag halten. Leonie ten Hagen, Violine, und Christian Köhn, Klavier, spielen von Claude Debussy (1862-1918) die Sonate für Violine und Klavier g-Moll (1917). Die Violinensonate von Debussy war sein letztes Werk und entstand im Hintergrund des Ersten Weltkrieges parallel zu den Objekten der Jugendstilsammlung von Giorgio Silzer, der daher eine ganz besondere Beziehung zu dieser Sonate hat, die er früher gerne persönlich bei Ausstellungseröffnungen spielte.