Häusliche Gewalt war Thema
Fachtagung im Rathaus fand großes Interesse
Mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten die Organisatoren gerechnet. Mehr als 170 waren schließlich ins Rathaus gekommen, um über das Thema häusliche Gewalt und deren Auswirkung auf Kinder zu diskutieren. Ein klarer Hinweis darauf, dass die Organisatoren vom Kooperationsprojekt "Häusliche Gewalt" unter Leitung der Gleichstellungsstelle der Stadt und der Frauenberatungsstelle Lilith e.V. ein ganz aktuelles und brennendes Problem aufgegriffen haben. Häusliche Gewalt gegen Frauen ist in den letzten Jahren zunehmend als gesellschaftliches Problem wahrgenommen worden. Das Anfang 2002 in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich Handlungsmöglichkeiten zum Schutz von Frauen in der Praxis von Polizei, Justiz, Frauenhäuser, Beratungsstellen und anderen Einrichtungen verbessert haben. Organisatorin Brigitte Tretow-Hardt von Lilith: "Häusliche Gewalt hat auch immer erhebliche Auswirkungen auf Kinder. Sie müssen die Gewalt miterleben und sind häufig selbst von Gewalt bedroht. Deshalb haben wir gerade diesen Aspekt in der Fachtagung hervorgehoben." Neben der Information über Auswirkungen auf Kinder und über Hilfsangebote wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen im Sorge- und Umgangsrecht aufgezeigt. Die Tagung befasste sich mit Handlungsmöglichkeiten in der sozialen Arbeit. Dabei behandelten die Expertinnen und Experten sowohl Fragen zur Kindeswohlgefährdung bei häuslicher Gewalt wie auch Handlungsaufträge der beteiligten Institutionen und die Vernetzungsarbeit zur Sicherung des Kindeswohls. Bürgermeister Heinz Paus hatte eingangs die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung begrüßt. Die Erfahrungen der Mitglieder des Paderborner Kooperationsprojekts „Häusliche Gewalt“ und Fachkräften anderer Einrichtungen hätten immer wieder gezeigt, dass wenig fachgerechtes Wissen über die Thematik zur häuslichen Gewalt vorhanden und der Schutz von Frauen und Kindern nicht im ausreichenden Maß gegeben ist", so Paus. Deshalb sei diese Fachtagung sehr wichtig und könne wichtige Impulse geben. Im Juni 2003 war das Kooperationsprojekt „Häusliche Gewalt“ gegründet worden. Ihm gehören neben den Gleichstellungsstellen sowie den Jugendämtern von Stadt und Kreis, die Frauenberatungsstelle Lilith e.V., der Opferschutzbeauftragte der Kreispolizeibehörde Paderborn, die Beratungsstelle Belladonna vom Sozialdienst Katholischer Frauen, die Frauenhäuser Paderborn und Salzkotten sowie die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht Paderborn an. Die Vernetzung dieser Organisationen wurde geschaffen, um das Handeln der unterschiedlichen Institutionen, die mit häuslicher Gewalt befasst sind, abzustimmen und zu verbessern. Dies geschah mit dem Ziel, Frauen und Kindern einen möglichst optimalen Schutz vor weiterer Gewalt zu ermöglichen.