B.O.S.S. zehn Jahre erfolgreich
Innenminister Dr. Ingo Wolf auf Jubiläums-Streife in Paderborn
Paderborn (IP/ik). Innenminister Dr. Ingo Wolf ließ es sich nicht nehmen, am Donnerstag in Paderborn ein Sicherheitskonzept der besonders bewährten Art zu ehren. „Ein so erfolgreiches Pilotprojekt, das zum Vorbild für viele andere wurde, verdient besondere Aufmerksamkeit“, lobte der Minister. Feierstunden und Ausstellungen gehören zum Programm vieler Jubiläen. So auch jetzt in Paderborn, als das Büro für Ordnung, Schutz und Sicherheit, das „B.O.S.S.“ sein 10-jähriges Bestehen feierte. Und doch war dieses Jubiläum ungewöhnlicher als andere: der nordrhein-westfälische Innenminister ging zusammen mit den dienstältesten B.O.S.S.- Mitarbeitern in der Paderborner Innenstadt Streife. Mit Polizeihauptkommissar Gerhard Henning und Ordnungsamtsmitarbeiter Andreas Schaaf-Fiege an der Seite zeigte der Minister Präsenz. So lagen die täglichen Streifengebiete der B.O.S.S.-Mitarbeiter auf dem Rundgang, bei dem sich Dr. Wolf von Landrat Manfred Müller und Bürgermeister Heinz Paus die Einzelheiten der Ordnungspartnerschaft erklären ließ. Marienplatz und Königsplatz, Westernstraße und Paderquellgebiet vermittelten dem Minister einen Eindruck vom innerstädtischen Leben und dem Aufgabenfeld der Paderborner „Innenstadtwache“. Bürgermeister Paus ließ bei einem Empfang in der B.O.S.S.-Wache die Entstehungsgeschichte der gemeinsamen Anlaufstelle Revue passieren. Dabei galt sein Dank insbesondere Ehrenbürgermeister Willi Lüke als „Gründungsvater“ des B.O.S.S., sowie auch allen, die vor zehn Jahren die Initiative ergriffen haben, um Paderborn sicherer und attraktiver zu machen. „Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis“, beschrieb Landrat Müller die Bedeutung der gemeinsamen Anlaufstelle und weiter: „Die Bürgerinnen und Bürger haben sich schon oft lobend über B.O.S.S. geäußert. Die Streifen geben den Menschen ein Gefühl der Sicherheit.“ Die Behördenleiter von Stadt und Kreispolizeibehörde unterstrichen in ihren Festreden die Wichtigkeit dieser Ordnungspartnerschaft für Paderborn. Seit zehn Jahren ist der Begriff „Sicherheit und Ordnung“ in Paderborn untrennbar mit dem B.O.S.S., dem „Büro für Ordnung, Schutz und Sicherheit“ verbunden. Am 1. April 1998 ging die gemeinsame Anlaufstelle von Polizei und Ordnungsamt an den Start. Heute arbeiten hier fünf Polizeibeamte und sieben Ordnungsamtsmitarbeiter Schulter an Schulter zusammen. Die Doppelstreifen in grünen und blauen Uniformen sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Sie schreiten bei Pöbeleien ein, verfolgen Sachbeschädigungen und Verschmutzungen, verwarnen falsch fahrende Radfahrer, bekämpfen Drogenkonsum und Rauschgifthandel, fahnden und vollstrecken Haftbefehle. Zum Alltag gehören aber auch Service, viele Gespräche, Hilfeleistungen, Suche nach vermissten Kindern, Jugendschutz und gelegentlich sogar das Retten entlaufener Tiere. Mitte der 90er Jahre waren immer mehr und immer drängendere Klagen über unzumutbare Zustände und unsichere Situationen in der Innenstadt laut geworden. Das verstärkte Auftreten von Drogenabhängigen und Dealern, die damit verbundene Beschaffungskriminalität, exzessiver Alkoholkonsum, aggressive Betteleien, Vandalismus und Verschmutzungen waren die geschilderten Probleme; viele Menschen fühlten sich nicht mehr wohl, mieden die Innenstadt und die Parks. Null-Toleranz war damals ein viel verwandtes Schlagwort aus den USA; Null-Toleranz forderten die Paderborner gegenüber Unordnung und Unsicherheit in der Stadt. Diese Situation konnte nicht länger hingenommen werden. Der damalige Bürgermeister Willi Lüke richtete deshalb mit der Polizei, Innenstadtbewohnern und Geschäftsleuten einen „Runden Tisch“ ein, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen - mit einem eindeutigen Ergebnis: Nur eine verstärkte Präsenz der Polizei und der Ordnungsbehörde konnte Abhilfe schaffen. Eine Vision für Sicherheit und Ordnung entwickelte sich und nach fast zwei Jahren Vorbereitungszeit hoben Polizei und Ordnungsamt das B.O.S.S., die erste gemeinsame Anlaufstelle in Ostwestfalen, aus der Taufe. Aus dem Täufling ist mittlerweile ein Pate mit Vorbild für viele ähnliche Ordnungspartnerschaften in anderen Städten geworden. Die ständige Präsenz der Fußstreifen in der Innenstadt, ihre wachsamen Augen, ihr konsequentes Vorgehen gegen die Drogen- und Alkoholszene, Platzverweise und Festnahmen führten zu einer deutlichen Steigerung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung. Sowohl Besucher der Innenstadt als auch Geschäftsleute und die Bevölkerung äußerten sich in den letzten Jahren in persönlichen Gesprächen und durch öffentliche Stellungnahmen lobend. Mit „B.O.S.S.- Mobil“ sind die Innenstadt-Ordnungskräfte seit 2005 auch in Bezirken außerhalb der Innenstadt und in Stadtteilen präsent. Objektiv messbar ist die Verbesserung der Sicherheitslage anhand der Zahlen aus dem Jahr 2007, die für sich sprechen: B.O.S.S.- Mitarbeiter nahmen 312 Strafanzeigen entgegen und schritten bei über 400 Ordnungswidrigkeiten ein, sie sprachen mehr als 2.000 Platzverweise aus, nahmen 85 Personen fest sowie 380 in Gewahrsam und führten über 400 Jugendschutzkontrollen durch. 200 Fundsachen wurden bei B.O.S.S. abgegeben und etwa 3.000 Anwohnerparkausweise, Schwerbehindertenparkausweise sowie Ausnahmegenehmigungen erteilt. Zehn Jahre B.O.S.S. ist ein Jubiläum mit einer Erfolgsgeschichte aus der Vergangenheit, die sich in die Gegenwart fortsetzt und in der Zukunft Bestand haben wird. Die Anlaufstelle ist montags bis freitags von 09.00 bis 20.00 Uhr und samstags von 08.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Zu besonderen Anlässen, wie beim Frühlingsfest oder während Libori, werden die Öffnungszeiten zudem ausgeweitet.