Gegen rechte Gewalt

Beate Albrecht fordert mit ihrem Theaterstück Mut zu politischen Themen

© Stadt Paderborn

Sichtlich berührt und mucksmäuschenstill waren die Schüler der achten und neunten Klassen beim Besuch des Stückes "Hin-und-Wegsehen" im Jugendkulturzentrum MultiCult. Die Regisseurin Beate Albrecht provoziert mit ihrem Theaterstück „gegen Rechts“, denn sie ist überzeugte Demokratin, wie sie vor Beginn der Aufführung erklärte. „Zu Anfang hatte ich wirklich Angst, mich an das Thema Rechtsextremismus heran zu trauen“, erklärte Albrecht. Als die Regisseurin auf der Fahrt zu einem Auftrittsort im Osten jedoch Straßen sah, die mit NPD-Wahlplakaten zugepflastert waren, und Asylbewerberheime fand, die Hochsicherheitstrakten ähnelten, bekam sie Mut. „Ich wollte den Mund nicht mehr halten“, sagt Albrecht, die in dem Stück die Rolle der Stiefschwester Vera übernahm. Im Stück sucht Jule neuen Halt als die Familie auseinander bricht. Mit Hilfe des Großvaters, einem Alt-Nazi, baut sie ein rechtes Netzwerk auf. Ihre „neue“ Familie wird zum Fixpunkt in ihrem Leben. Doch immer wieder wird sie von Sem gestört. Ein ausländischer Junge, mit dem sie Jahre zuvor eine Liebesbeziehung geführt hatte. „Aber der Opa hat mich ja schon immer vor dem Kanaken gewarnt“ – Jules Worte sind hart. Sems „Kanaken“ und Jules „Schergen“ treffen im gemeinsamen Stadtviertel immer wieder aufeinander. Jede Gruppe schiebt der anderen die Schuld für irgendwelche (sinnlosen) Kämpfe zu. Es gibt aber auch einen Kampf zwischen Jule und Sem. Ideologische Werte und intime Gefühle – alles spielt sich auf einer Bühne, in einem Zimmer ab: Laptop auf dem Tisch, Bett und darüber die Fahne „Meine Ehre heißt Treue“. Als Jule im „Kampf um das Dritte Reich“ ihre Getreuen vor die Tür der „Zecken“ hetzt, hat die Stiefschwester längst verstanden, welches Spiel gespielt wird. Noch während sie die Polizei ruft, kommt es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Jule und Sem, der versucht sie davon abzuhalten. Ein Schuss trifft Sem. „Trotz der fiktiven Story, entspringt die Geschichte in Einzelteilen auch der Realität“, meint Albrecht nach der Aufführung. Wie auch schon in anderen Aufführungen im "MultiCult" stellen sich die Regisseurin und ihr Team den Schülern für Fragen zur Verfügung. Dabei war den Schauspielern deutlich anzumerken, dass das Stück ihrer inneren Überzeugung entspricht.